September 2010
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3. Kapitel

Zwei Big Mac’s und mehrere Liter Kaffee später saßen Dean und Sam noch immer in dem Impala und warfen abwechselnd einen Blick auf das Krankenhausgebäude. Mittlerweile hatte die Dunkelheit von der Stadt Besitz ergriffen, und so heiß, wie der Tag gewesen war, so kalt kündigte sich die Nacht an. Die Temperaturunterschiede waren um diese Jahreszeit extrem. Ein oder zwei Nächte würden sie noch im Wagen verbringen können. Doch die Tasche mit den schmutzigen Klamotten quoll bereits über und gegen eine Dusche und ein Bett hatte Dean nichts einzuwenden. Außerdem mussten sie dringend ihre Bargeldmittel wieder auffrischen.

„Wie lange will Sitting Bull noch bei dem Jungen am Bett hocken?“ beschwerte Dean sich nicht zum ersten Mal bei seinem jüngeren Bruder, der noch immer mit dem Notebook auf seinen Knien Lexis Nexis und diverse andere Datenbanken nach Hinweisen durchforstete. Dean mochte das untätige Warten nicht sonderlich, er wollte lieber etwas tun, um die aufkommende bleischwere Müdigkeit abzuschütteln.

Sam verdrehte kurz die Augen, ersparte sich aber eine entsprechende Antwort. Auch er war müde. Aber das hier war ihr Job, schlafen würden sie später.

Plötzlich stieß Dean seinen jüngeren Bruder an und nickte in Richtung Krankenhaus. Zwei Gestalten verließen gerade den Haupteingang, ein alter Mann und ein junges Mädchen – Mr Mendorra und seine Enkeltochter. Sie stiegen in einen verrosteten Pritschenwagen, der in der Nähe abgestellt war. Sekunden später dröhnte ein altersschwacher Motor auf und der Minitruck bog auf den Freeway und zuckelte stadtauswärts.

Dean war sofort hellwach. Sam hatte das Notebook zusammengeklappt und auf die Rückbank geworfen. Gerade wandte er den Blick wieder gerade aus, als er aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahrnahm. Jemand oder etwas duckte sich in einem Häusereingang und entzog sich Sams Blick, zu schnell, als das man es für eine normale Bewegung eines heimkommenden Anwohners hätte halten können.

Sam hatte keine Zeit, länger darüber nachzudenken. Dean hatte den Impala in Bewegung gesetzt. Jetzt kam es darauf an, dem Pritschenwagen unauffällig zu folgen.

Der Freeway schlängelte sich scheinbar endlos durch die Dunkelheit, immer wieder gesäumt von gigantischen Felsbrocken, die in bizarren Formen sich in die Höhe erhoben und die Straße unübersichtlich machten. Dean achtete darauf, den vor ihm fahrenden Rücklichtern des Pritschenwagens nicht zu nah zu kommen, sie aber auch nicht gänzlich aus den Augen zu verlieren.

Eine weitere Stunde verstrich, die beiden Fahrzeuge waren weit und breit die einzigen Wagen, die durch die Nacht streiften. Der Pritschenwagen hatte inzwischen den Freeway verlassen und war auf einem unbefestigten Wüstenweg eingebogen. Dean stoppte den Impala und sah Sam kurz an. Das bedeutete, dass sie die Verfolgung nicht mehr unauffällig würden fortsetzen können. Sam nickte stumm. Manchmal war es notwendig, die Tarnung aufzugeben. Dean gab Gas, um Mr Mendorra einzuholen, dessen Rücklichter bereits hinter einer weiteren Kurve, verdeckt von einem gigantischen Felsengebilde, verschwanden. Der nachtschwarze Chevrolet rollte über den unbefestigten Boden und Geröll und Sand knirschten unter den Reifen.

Sie erreichten die Kurve, hinter der der Pritschenwagen vor wenigen Minuten verschwunden war. Doch die Straße vor ihnen war leer.