{"id":11485,"date":"2014-12-24T10:52:47","date_gmt":"2014-12-24T09:52:47","guid":{"rendered":"http:\/\/sajec.de\/blog\/?p=11485"},"modified":"2014-12-24T10:52:47","modified_gmt":"2014-12-24T09:52:47","slug":"jutta","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/jutta\/","title":{"rendered":"Jutta"},"content":{"rendered":"<p>Es tut weh. Es ist schwer zu begreifen. Vielleicht werde ich es nie ganz verstehen.<\/p>\n<p>Noch immer f\u00e4llt es schwer, Worte zu finden.<\/p>\n<p>Letzten Montag war ich auf deiner Beerdigung. Du lagst in dem schwarzen Sarg, mit wei\u00dfen Rosen \u00fcberdeckt. Der Sarg und die Blumen h\u00e4tten dir sicher gefallen. Mir liefen die Tr\u00e4nen pausenlos und alles um mich herum war wie hinter einem Schleier. Meine H\u00e4nde zitterten. In meinem Kopf wisperte und br\u00fcllte gleichzeitig immer nur ein Wort: NEIN! Die Vorstellung, dass du kalt und still in dem schwarzen Sarg liegst: unbegreiflich und schmerzlich. Der Pfarrer erz\u00e4hlte aus deinem Leben, und so vieles wusste ich noch gar nicht, h\u00e4tte ich gern von dir selbst erfahren. Andere Dinge aber teilten nur wir zwei, wussten vertraute Geheimnisse voneinander.<\/p>\n<p>Du warst meine Freundin, nahmst mich auf, als ich au\u00dfer meiner Familie hier niemanden kannte. Wir feierten verr\u00fcckte Partys, philosophierten n\u00e4chtelang \u00fcber Star Trek, Buffy und die Welt, unternahmen Fahrradtouren. Beim Shopping waren wir v\u00f6llig verschieden und nicht kompatibel; doch mit der Zeit lernten wir den anderen so zu lassen, wie er ist. Manchmal riefst du mich mitten in der Nacht an, weil du nicht allein sein konntest und jemanden zum Reden brauchtest. Viel zu sp\u00e4t erst merkte ich, wie sehr du vom Alkohol abh\u00e4ngig wurdest.<\/p>\n<p>Dann kam ich an dem einem Montag nach einem langen Arbeitstag nach Hause \u2013 und erfuhr die scheckliche Nachricht. Du bist gestorben. Einfach so. Alleine in deinem Haus. Deine Eltern fanden dich. Deine armen Eltern, die mir so leidtun. Niemand sollte sein Kind vor sich gehen lassen m\u00fcssen. Sie hatten immer die Sorge, dass sie dich eines Tages tot finden w\u00fcrden. Deswegen klammerten sie, nervten dich mit ihrer Sorge und Angst. Und dann ist es doch genauso gekommen, wurde ihr Albtraum wahr. Ach Jutta, h\u00e4tten wir etwas tun k\u00f6nnen? H\u00e4tten wir irgendwas verhindern k\u00f6nnen? Wenigstens schienst du einfach so eingeschlafen zu sein. Ein kleiner Trost. Irgendwie.<\/p>\n<p>Die Tage nach deinem Tod verbrachte ich wie im Nebel. St\u00e4ndig sah ich dein Gesicht vor mir, erinnerten mich Kleinigkeiten an dich. Und immer wieder kreiste dieser unbegreifliche Gedanke durch meinen Kopf, mal wispernd, mal br\u00fcllend: Du bist nicht mehr da.<\/p>\n<p>Vorgestern nun war deine Beerdigung. Sie lie\u00dfen den Sarg in die nasse, klamme Erde. Nun liegst du also dort. Doch ich klammer mich an den Gedanken und die Vorstellung, dass da noch etwas anderes kommt. Ich bet\u00e4ube mich mit der Vorstellung, dass du gerade neue Welten erkundest, Freunde kennenlernst \u2026 und anf\u00e4ngst bei ihnen zu putzen. *l\u00e4chel* Und eines Tages werden wir uns wieder sehen und lachen.<\/p>\n<p>Mach\u2019s gut, liebe Freundin.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-11486 alignnone\" src=\"http:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Jutta.jpg\" alt=\"Jutta\" width=\"850\" height=\"658\" srcset=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Jutta.jpg 850w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Jutta-300x232.jpg 300w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Jutta-150x116.jpg 150w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/12\/Jutta-400x310.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es tut weh. Es ist schwer zu begreifen. Vielleicht werde ich es nie ganz verstehen. 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