{"id":18778,"date":"2019-01-27T09:47:59","date_gmt":"2019-01-27T08:47:59","guid":{"rendered":"https:\/\/sajec.de\/blog\/?p=18778"},"modified":"2019-01-27T09:51:57","modified_gmt":"2019-01-27T08:51:57","slug":"seerosenfliesenzimmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/seerosenfliesenzimmer\/","title":{"rendered":"Seerosenfliesenzimmer"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Reise stand bevor und ich war aufgeregt, ich hatte alles gepackt in einen riesigen Rucksack. So viel hatte ich geh\u00f6rt von dem fremden Land und seinen magischen Landschaften. In einem Hotel w\u00fcrde es noch einen Zwischenstopp geben f\u00fcr eine Nacht. Dort w\u00fcrden die P\u00e4sse eingesammelt werden und am n\u00e4chsten Morgen ginge der Flieger &#8230; <\/p>\n\n\n\n<p>Das Hotel, in dem wir untergebracht waren, bestand aus einer riesigen Treppe, die sich in die H\u00f6he wandt. Seitlich von ihr abzweigend in unterschiedlichen H\u00f6hen wie Seerosenbl\u00e4tter kleine Balkonzimmer, die nur so gro\u00df waren, dass eine Liegestatt hinein passte. Kissen und Decken waren \u00fcberall verteilt und obwohl der Boden wie Fliesenbelag glitzerte, war er weich und sanft. W\u00e4nde gab es keine, sondern man blickte auf Meer, Berge und noch mehr Sterne. Ich schlief geborgen ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen dann der Schock! Ich hatte meinen Pass vergessen! Statt dessen hatte ich den gr\u00fcnen, bereits leicht zerfledderten Impfpass meiner Mutter bei mir. Damit w\u00fcrde ich die Reise nicht antreten k\u00f6nnen. Ich \u00fcberlegte hin und her, wie ich an meinen Pass noch kommen k\u00f6nnte, aber wie ich es auch anstellen w\u00fcrde: es war keine Zeit mehr und der Flieger hob bereits ab. Ich war gestrandet im Seerosenblatthotel. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich schon hier war, konnte ich sicherlich auch die Gegend erkunden. Und am n\u00e4chsten Morgen entdeckte ich dann auch in der Ferne den braunen Tempel, in Felsen eingelassen. Eine gewaltige steinernde Treppe f\u00fchrte zu seinem Eingang. Da wollte ich hin! Doch mich trennte ein Fluss. \u00dcber den Fluss schipperten kleine Boote, und die Menschen an Bord waren freundlich. Ich half Netze flechten, aber ich verknotete sie mehr, als dass ich sie flickte. Der alte Kapit\u00e4n lachte nur milde und zeigte es mir erneut, und noch einmal, und noch einmal. Dabei erz\u00e4hlte er mit einer sanften Stimme in einer Sprache, die ich nicht verstand, und zeigte auf die Tempeltreppe.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann verlie\u00df ich das Boot und machte mich daran, die Treppenstufen zu erklimmen. Stufe f\u00fcr Stufe, anstrengend, Scheinbar unendlich schien der Eingang entfernt, und so kletterte ich weiter, Stufe f\u00fcr Stufe f\u00fcr Stufe, immer wieder an mir zweifelnd, ob ich es schaffen w\u00fcrde, aber zu neugierig, um aufzugeben. Und wo sollte ich auch hin? Mittlerweile war es nach unten genau so weit wie nach oben. Also erklomm ich weiter den Tempel und wunderte mich, warum ich das ganz alleine tat. Niemand au\u00dfer mir war auf den Treppenstufen. In Verschnaufpausen sah ich hinunter auf den Fluss und seine Boote, wie Spielzeugschiffchen schaukelten sie auf den Wellen. Ich sah das Seerosenzimmerhotel hinter dem Fluss &#8230; und kletterte weiter. Und weiter, Und ich kletterte. Stufe f\u00fcr Stufe f\u00fcr Stufe. <\/p>\n\n\n\n<p>&#8230; und dann kam ich an den Eingang des Tempels, die letzte Stufe hinter mir lassend. Es gab keine T\u00fcren, sondern nur einen gro\u00dfen Torbogen, der in Dunkelheit f\u00fchrte. Keine Ger\u00e4usche, kein Leben, nur Felsen und Stufen unter mir und das Dunkel vor mir. Und ich ging hinein, folgte der Dunkelheit und der Stille und sp\u00fcrte &#8230; <\/p>\n\n\n\n<p>so gar keine Angst, kein Unbehagen, nur Neugier und Bereitschaft, neues Wissen aufzusaugen. Und dann wusste ich &#8211; pl\u00f6tzlich -, als wenn ein Vorhang von unsichtbarer Hand gel\u00fcftet wurde, dass dieser Tempel nach dem Polarstern ausgerichtet worden ist und immer dessen Licht folgt; dass nach der Dunkelheit etwas anderes ist, das weder dunkel noch hell ist, kein Felsen, kein Wasser, mehr als ein Gedanke und alles beinhaltend und mehr. Dass der Weg dahin noch mehr Stufen und Zweifel und Anstrengung bedeuten wird, aber es nur diesen Weg f\u00fcr mich gibt, das ihn alle gehen, in unterschiedlichen Geschwindigkeiten &#8230; aber alle den selben Weg; und wenn man ab und an zur\u00fcckschaut, sieht man glitzernde Seerosenbl\u00e4tterliegewiesen und Boote auf dem Fluss und andere, die folgen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Reise stand bevor und ich war aufgeregt, ich hatte alles gepackt in einen riesigen Rucksack. So viel hatte ich geh\u00f6rt von dem fremden Land und seinen magischen Landschaften. 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