{"id":20902,"date":"2024-04-04T15:57:54","date_gmt":"2024-04-04T13:57:54","guid":{"rendered":"https:\/\/sajec.de\/blog\/?p=20902"},"modified":"2024-04-04T15:57:54","modified_gmt":"2024-04-04T13:57:54","slug":"brief-an-m-eine-brueder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/brief-an-m-eine-brueder\/","title":{"rendered":"Brief an m eine Br\u00fcder"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><a href=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/04042024_Brief.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/04042024_Brief-1024x576.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20903\" srcset=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/04042024_Brief-1024x576.jpeg 1024w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/04042024_Brief-300x169.jpeg 300w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/04042024_Brief-768x432.jpeg 768w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/04042024_Brief.jpeg 1500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Hey, ihr beiden. <\/p>\n\n\n\n<p>Es ist die Woche nach Ostern 2024 und ich habe frei. Aber wenn ich ehrlich bin, wei\u00df ich gerade nichts mit mir anzufangen. Die Osterdeko ist bereits wieder wegger\u00e4umt, der bl\u00f6de Strauch hat sowieso nicht gebl\u00fcht. Fast bin ich geneigt, das pers\u00f6nlich zu nehmen; als etwas, das ich mir so h\u00fcbsch vorgestellt habe, aber das eben nicht f\u00fcr mich funktioniert. Nun ist er jedenfalls weg, und das Waldwohnzimmer sieht wieder &#8222;normal&#8220; aus. Im TV l\u00e4uft eine Doku \u00fcber eine Hauptschule in K\u00f6ln. Gegessen habe ich heute noch nichts, aber einen Kaffee hatte ich immerhin schon. Es ist 15 Uhr. Ich war bis 13:30 Uhr im Bett. Lesen &#8211; Schlafen &#8211; Videos gucken &#8211; Schlafen; immer im Wechsel. So h\u00e4tte ich das den ganzen Tag noch durchziehen k\u00f6nnen. Naja fast. Hat mein Vater nicht dich, Stefan, daf\u00fcr mal f\u00fcrchterlich ausgeschimpft? Du warst da vielleicht 16 und in meiner Erinnerung regelm\u00e4\u00dfig mit meinem Vater im Clinch, er war eben nicht dein Vater. Als Teenagerin habe ich dann in deinem Zimmer in den Ferien auch die Tage verschlafen und mich nachts herausgeschlichen; immer auf der Suche nach irgendwas. Wonach wusste ich eigentlich nie, nur, dass da eben noch was sein musste.<br>Dieses damalige Gef\u00fchl der Leere versp\u00fcre ich heute auch noch manchmal, aber es ist eine andere Leere. Eine Leere, die in Verlust begr\u00fcndet ist. Die damalige Leere war eher eine Suche nach etwas, das ich noch nicht benennen konnte. <br><\/p>\n\n\n\n<p>Erinnerungen \u00fcberfallen mich manchmal wie aus dem Nichts. Zum Beispiel wie mein Vater und du, Stefan, mich als M\u00e4dchen im Flur unserer Wohnung auf die Schultern genommen habt, damit ich Spagat \u00fcben konnte. Oder wie du, Torsten, und ich die gro\u00dfe Steintreppe im Treppenhaus herunterrutschten, am Gel\u00e4nder oder mit einem Kissen unterm Hintern direkt auf den Stufen. Der gro\u00dfe Weihnachtskaktus unseres Vaters stand in dem gro\u00dfen Treppenhausfenster zwischen Erdgeschoss und 1. OG. <br>Heute schaue ich in den Himmel und denke an euch. Jeder Regenbogen, jeder Marienk\u00e4fer, selbst der Regen, der ans Fenster trommelt, interpretiere ich als ein Zeichen von euch. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an euch denke.<br>Manche Tage sind vollgepackter als andere. Im B\u00fcro kommt man kaum zum Nachdenken \u00fcber Verlorenes und Vergangenes, und damit auch nicht auf schwerm\u00fctige Gedanken. Aber wenn ich &#8211; wie jetzt &#8211; mit mir alleine bin, dann h\u00e4lt nichts die Gedanken auf. <\/p>\n\n\n\n<p>Deine Wohnung, Stefan, habe ich nun ausr\u00e4umen lassen. Nun muss sie noch gek\u00fcndigt werden, was schwierig wird, denn ich habe ja noch immer keinen Teil-Erbschein. Aber wenigstens ist jetzt ein Ende des Themas Wohnung in M\u00fcnchen in Sicht. In den letzten Wochen wurde die Vermieterin, die zu Beginn so verst\u00e4ndnisvoll schien und die Monat f\u00fcr Monat ihre Miete bekommt, ziemlich fordernd. &#8218;Was ginge sie der Krempel an, der noch in ihrer Wohnung ist!&#8216; war eine ihrer Aussagen. Zum Schluss kamen aller 2 Tage Anrufe, Vorhaltungen und Forderungen von ihr, dass ich jedes Mal, wenn ich ihre Nummer im Telefon aufleuchten sah oder eine Email bekam, mein Herz weh tat. Mein Puls ging hoch und ich fing an zu zittern. Chef hat dem dann einen Riegel vorgeschoben und ihr (also der Vermieterin) untersagt, mich direkt zu kontaktieren, sondern  wenn sie was will, soll das \u00fcber das Anwaltsb\u00fcro passieren. Seitdem habe ich Ruhe. Zumindest oberfl\u00e4chlich. Innerlich warte ich auf die n\u00e4chste Forderung, die kommen wird. Vermutlich wird sie fordern, dass ich die Wohnung nun komplett renovieren und auch den Parkettfu\u00dfboden austauschen lasse; auf meine Kosten nat\u00fcrlich. Ich schiebe das die Woche noch weg von mir; aber ich ahne, dass mich das n\u00e4chste Woche besch\u00e4ftigen wird. Ich hoffe inst\u00e4ndig, dass ich beide Erbscheine nun bald bekommen werde und dass sich der beantragte Nachlasspfleger f\u00fcr Stefans Nachlass nun endlich meldet. \u00dcberhaupt m\u00f6chte ich nun endlich irgendwie das alles zumindest auf der Ebene abschlie\u00dfen. <\/p>\n\n\n\n<p>Und ich m\u00f6chte nach vorn schauen. Ich bin jetzt 53 Jahre alt, und ich werde Oma. Das \u00e4ndert doch einiges. Seit gestern wissen wir auch das Geschlecht unseres Enkelkindes; ich verrate es euch bei Gelegenheit. F\u00fcr das W\u00fcrmchen will ich auch weiter abnehmen und fitter werden. Deswegen mache ich auch WW weiter. Ja, ich wei\u00df, die letzten Tage habe ich es ein bisschen vernachl\u00e4ssigt. Zwar habe ich das Essen brav getrackt, aber es war eben viel Kuchen und viel Schokolade dabei und keine Schritte auf dem Laufband. Okay, daf\u00fcr war ich letzten Samstag \u00fcber 12.000 Schritte in Bremerhaven unterwegs, das war dann das andere Extrem.<br>Freie Zeit l\u00e4sst mich scheinbar leicht verwahrlosen. Lange lesen, oder schlafen, daf\u00fcr den Tag verpennen und komische Filme schauen. Ich vermisse meine Serien, Queer As Folk, Heartstopper, sogar ein bisschen Young Royals. Ich habe eben auch niemanden, mit dem ich meine Lieblingsserien bequasseln k\u00f6nnte. Ich wei\u00df nicht einmal, was ihr dazu gesagt h\u00e4ttet, w\u00e4ren wir uns noch einmal pers\u00f6nlich begegnet. Von dir, Torsten, wei\u00df ich immerhin, dass du damit so gar nichts anfangen konntest und das Thema einfach ignoriert hast. Wenigstens wei\u00df ich, dass du jahrelang \u00fcber dieses Blog von meinem Leben wusstest. Was du wohl dazu gesagt h\u00e4ttest, dass du Gro\u00dfonkel geworden w\u00e4rst? <br>Ach ja, es g\u00e4be so vieles, was ich mit euch in unserem Waldwohnzimmer besprechen h\u00e4tte wollen. Ich vermisse euch. Wenn ich gewusst h\u00e4tte, dass ich euch niemals wieder sehe, ich h\u00e4tte nicht so viel Zeit verstreichen lassen; bis es eben zu sp\u00e4t war. Es ist etwas dran an dem Spruch: Man bereut am Ende selten, was man getan hat, sondern mehr die Gelegenheiten, die man nicht gepackt hat. Warum bin ich nicht zu dir nach Frankfurt am Main gekommen, Torsten? Es gab Gelegenheiten. Und warum habe ich nicht intensiver nach dir gesucht, Stefan? Es gab auch da M\u00f6glichkeiten; aber ich hatte Schiss, alte Erinnerungen aufzuw\u00fchlen, wenn ich Kontakt zu unserem Cousin herstellen w\u00fcrde. Verletzende S\u00e4tze, 25 Jahre her; die aber trotzdem noch weh tun. Am Ende bleibt eben das &#8222;H\u00e4tte ich mal eher &#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Zu sp\u00e4t. F\u00fcr immer zu sp\u00e4t. Oder zumindest in diesem Leben f\u00fcr mich zu sp\u00e4t. Ich klammere mich an den Gedanken, dass ich euch wiedersehen werde. <br>Machts erst mal gut, ihr beiden, passt auf mich auf und schickt mir ab und an mal ein warmes Gef\u00fchl und einen tr\u00f6stenden Gedanken. Ich vergesse euch nicht, und wir sehen uns wieder. Versprochen. Bis dahin erst mal &#8230;. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-default\"><a href=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/04042024_Blatt.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"536\" src=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/04042024_Blatt-1024x536.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-20904\" srcset=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/04042024_Blatt-1024x536.jpg 1024w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/04042024_Blatt-300x157.jpg 300w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/04042024_Blatt-768x402.jpg 768w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/04042024_Blatt.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hey, ihr beiden. Es ist die Woche nach Ostern 2024 und ich habe frei. 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