{"id":2248,"date":"2010-09-10T13:18:07","date_gmt":"2010-09-10T12:18:07","guid":{"rendered":"http:\/\/sajec.de\/blog\/?p=2248"},"modified":"2010-09-10T13:19:38","modified_gmt":"2010-09-10T12:19:38","slug":"die-t-t-k-d-d-g-z-geschichte-oder-kurz-pluschkatzenrettung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/die-t-t-k-d-d-g-z-geschichte-oder-kurz-pluschkatzenrettung\/","title":{"rendered":"Die t-t-K-d-d-G-z-Geschichte oder kurz: Pl\u00fcschkatzenrettung"},"content":{"rendered":"<p>Sommer 1994. Es hatte tagelang geregnet. Dann endlich brach der Wolken verhangene Himmel auf und versprach, wenigstens f\u00fcr ein paar Stunden dicht zu halten. Ich schnappte mir meine damals 4-j\u00e4hrige Tochter, pflanzte sie in ihren Buggy und machte mich auf den Weg zur Dorfbibliothek. Auf dem R\u00fcckweg w\u00fcrden wir durch den Park laufen, am See ein paar Enten f\u00fcttern. Zum Mittagessen wollten wir zur\u00fcck sein &#8211; ein netter kleiner Spaziergang. So der Plan. Und wie so oft sollte es ganz anders kommen:<\/p>\n<p>Der Nachhauseweg f\u00fchrte uns an dem Dorfplatz, genannt \u201eSchie\u00dfwiese\u201d, vorbei, an dem im Sommer der Rummel stattfindet und wo ich Jahre zuvor meine ersten heimlichen Moped-Fahrstunden genommen hatte. Meine Tochter h\u00fcpfte vergn\u00fcgt in ihren neuen Gummistiefeln durch die Pf\u00fctzen, entdeckte Steinchen, Scherben, Schnecken und Tannenzapfen und \u00fcbergab mir jedes einzelne davon mit einem strahlenden und begeisterten L\u00e4cheln. Am Rande des ziemlich matschigen Platzes standen M\u00fcllcontainer. Und wie alle M\u00fcllcontainer hatte auch die hiesigen die Eigenschaft, Sperrm\u00fcll und Abfall anzuziehen. Und Sperrm\u00fcll wiederum zieht neugierige 4-J\u00e4hrige ebenso magisch an. Selbige turnte dann auch quietschfidel zwischen weggeworfenen Holzregalen, Autobatterien und verschimmelten Kleiders\u00e4cken herum und war nicht zu bewegen, den von mir als \u201eb\u00e4h\u201d titulierten neu entdeckten Abenteuerspielplatz so schnell wieder zu verlassen. Gerade schien es, als h\u00e4tte ich sie doch mit der Aussicht auf geliebte Nudeln zu hause \u00fcberreden k\u00f6nnen, weiterzulaufen, als ihr Blick auf ein dreckiges, nasses Etwas fiel, was aus einem zerrissenen Altkleidersack hervorschielte.<\/p>\n<p>\u201eMama, Mama! Guck! Da ist eine Katze!\u201d<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich, das waren Knopfaugen, Fell und ein Schwanz. Alles in allem ergab eine ziemlich nasse und vor Dreck starrende Pl\u00fcschkatze, ca. 60 cm gro\u00df und fr\u00fcher sicherlich wei\u00df und kuschlig, die jemand in den M\u00fcll geworfen hatte. Vermutlich lag sie da bereits einige Tage. Meine Tochter begann, mit der Sturheit eines Kleinkindes an dem toten Pl\u00fcschvieh zu zerren. Ich seufzte innerlich und wusste, dass ich keine Chance haben w\u00fcrde. Ich versuchte es trotzdem:<\/p>\n<p>\u201eLass das M., die ist doch ganz schmutzig und nass!\u201d argumentierte ich.<\/p>\n<p>\u201eAber ihr ist bestimmt kalt und sie weint. Wir k\u00f6nnen sie doch mitnehmen, Mama! Dann ist sie nicht mehr allein. Bitte!\u201d<\/p>\n<p>Ich seufzte noch mehr und gab mich geschlagen. Was hatte ich auch gegen diese Argumentation schon aufzubringen? Und im Grunde tat mir das Pl\u00fcschvieh ja auch Leid. So ein Ende hatte es einfach nicht verdient. Also gut, nehmen wir sie mit.<\/p>\n<p>Ich pfl\u00fcckte mein Kind und die tote Pl\u00fcschkatze von dem M\u00fcllberg und stopfte letztere in die durchsichtige Plastikt\u00fcte, die eigentlich zum Transport der B\u00fccher diente. Das Pl\u00fcschvieh stank und tropfte und war so vollgesogen mit Wasser und Schmutz, dass sie gut und gerne ihre 8 Kilo wog. M. schob ihren Buggy mit den B\u00fcchern und ich zog das nasse, schwere, stinkende B\u00fcndel totes Katzenpl\u00fcschvieh hinter mir her. So trabten wir langsam wie eine seltsame Prozession nach hause.<\/p>\n<p>Kurz \u00fcberlegte ich noch, wie wir wohl auf die anderen Passanten wirken w\u00fcrden: Ein fr\u00f6hlich singendes, Buggy schiebendes Kind vorneweg und ich mit einem tropfenden B\u00fcndel hinterher, das bestimmt den Anschein erweckte, als w\u00fcrde ich eine Katzenleiche durchs Dorf schleifen. Und wirklich, ein paar \u00e4ltere Damen, die unseren Weg kreuzten, r\u00fcmpften angewidert die Nasen, blickten mich vorwurfsvoll an und wechselten die Stra\u00dfenseite. Ich f\u00fchlte mich wie auf dem Pr\u00e4sentierteller, mit der toten tropfenden Pl\u00fcschkatze im Sack, die mit jedem Schritt schwerer zu werden schien.<\/p>\n<p>Tapfer ignorierte ich missbilligende Blicke und neugierige Hunde. Wen ich nicht ignorieren konnte, war der Dorfpolizist, der vermutlich seine gro\u00dfe Stunde als Columbo witterte, sich vor mir aufbaute und meinen Ausweis zu sehen verlangte. Ich lies den tropfenden Sack auf den Boden fallen und kramte in den unendlichen Weiten meiner Handtasche nach dem verflixten Ausweis, fand ihn auch gleich neben der T\u00fcte mit den zermatschten Gummib\u00e4rchen und pr\u00e4sentierte ihn etwas verlegen dem Gesetzesh\u00fcter, w\u00e4hrend ich \u00fcberlegte, ob ich vielleicht gerade einen Diebstahl begangen haben k\u00f6nnte. Der Polizist warf nur einen fl\u00fcchtigen Blick auf meinen Ausweis, r\u00e4usperte sich und stellte dann die Frage, auf die ich bereits gewartet hatte:<\/p>\n<p>\u201eWas haben sie denn da in dem Sack? Sie wissen schon, dass tote Tiere durch den Amtstierarzt entsorgt werden m\u00fcssen? Sie k\u00f6nnen hier nicht einfach <em><span style=\"color: #993366;\">tote tropfende Katzen durch die Gegend zerren<\/span><\/em>!\u201d<\/p>\n<p>\u201e\u00c4hm, die ist nicht tot! Die ist nur nass. Und dreckig. Wir retten sie gerade. Es ist ein Pl\u00fcschtier\u201d erkl\u00e4rte ich ziemlich hektisch, w\u00e4hrend der Sheriff sich in ein \u201eSo, so!\u201d fl\u00fcchtete und weiterhin zweifelnd den Beutel be\u00e4ugte, als w\u00fcrde er erwarten, dass das tote nasse dreckige Pl\u00fcschkatzenvieh urpl\u00f6tzlich aus der T\u00fcte und ihm ins Gesicht springen k\u00f6nnte. Dann lies er uns ziehen.<\/p>\n<p>Endlich zu hause angekommen, verfachtete ich das nasse stinkende Etwas in die Waschmaschine, das Protestgeschrei meiner Tochter diesmal ignorierend. Ich versicherte ihr, dass Pl\u00fcschkatzen total gern in Waschmaschinen herumgeschleudert werden und ihr das nichts ausmachen w\u00fcrde. In Anbetracht des wirklich immensen Dreckvolumens des Pl\u00fcschviehs lies ich sie s\u00e4mtliche Programme der Waschmaschine durchlaufen. Nach 4 Stunden baumelte dann tats\u00e4chlich eine wei\u00dfe Pl\u00fcschkatze an den Ohren festgeklammert an der Leine und zog anschlie\u00dfend &#8211; trocken und wirklich kuschelig weich &#8211; zu den 3 Millionen anderen Kuscheltieren in das Kinderzimmer meiner Tochter ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sommer 1994. Es hatte tagelang geregnet. Dann endlich brach der Wolken verhangene Himmel auf und versprach, wenigstens f\u00fcr ein paar Stunden dicht zu halten. 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