{"id":2252,"date":"2009-10-25T13:26:22","date_gmt":"2009-10-25T12:26:22","guid":{"rendered":"http:\/\/sajec.de\/blog\/?p=2252"},"modified":"2010-09-10T13:28:48","modified_gmt":"2010-09-10T12:28:48","slug":"2252","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/2252\/","title":{"rendered":"25. Oktober 2009"},"content":{"rendered":"<p>Zuerst war es ein Spiel, wir waren eine Gruppe, aber ich erkannte keine Gesichter. Nur das von Misha. Misha war das Ziel. Er rannte pl\u00f6tzlich los und wir sollten ihm 6 Minuten Vorsprung geben, bevor wir ihn verfolgen durften. Ich lie\u00df ihn nicht aus den Augen, gleichzeitig fragte ich mich jedoch st\u00e4ndig, was zum Teufel ich hier eigentlich mache. Dann rannte auch ich los, Misha hinterher. Durch wei\u00dfe, menschenleere H\u00e4userschluchten. Die anderen Verfolger in der N\u00e4he, aber immer noch diffus und ohne Gesichter. Ich sah, wie Misha in einen Hauseingang verschwand und folgte ihm auch dort hin. Ich betrat ein Labyrinth. Sofort war mir klar, dass es nur ein Labyrinth sein konnte. Ein wei\u00df gestrichenes, enges, auf mehreren Etagen verlaufendes Durcheinander von G\u00e4ngen und Treppen, ohne Fenster, mit Fallgruben und Geheimt\u00fcren. Ich hatte keine Angst und ich glaubte noch immer Misha vor mir zu sehen. Die anderen Verfolger waren verschwunden.<\/p>\n<p>Ich krabbelte durch die Labyrinth-G\u00e4nge und ein Gedanke war die ganze Zeit in meinem Kopf, wie eine Anweisung, oder wie eine Karte: Geh immer nach links und nach unten. Und so gelangte ich in eine Art Hotellobby. Gem\u00fctliche Sessel waren aufgestellt, dezente Musik im Hintergrund. Eine gro\u00dfe dunkle h\u00f6lzerne Treppe war mit einem roten Teppich ausgelegt und an einer Bar standen ein paar G\u00e4ste, die sich als Misha-Mitverfolger zu erkennen gaben und mir bisschen mitleidig zuprosteten, da ich erst jetzt diesen Ort gefunden h\u00e4tte und Misha l\u00e4ngst wieder weg w\u00e4re.<\/p>\n<p>Ich ging langsam die gro\u00dfe Holztreppe hinauf und atmete diese unglaubliche Mischung aus Samt, Leder, Bohnerwachs und Vornehmheit. Ein Teil in mir wollte weglaufen, aber unbeirrt ging ich weiter. An einem Panorama-Fenster blieb ich stehen und blickte auf die Stra\u00dfe. Ein Kind weinte auf der Stra\u00dfe. Zu seinem F\u00fc\u00dfen, noch an der Leine, lag ein wei\u00dfer Hund mit struppeligen Fell. Er lag auf seinem R\u00fccken, die Beine nach oben gestreckt und die Zunge hing ihm aus dem Maul. Er r\u00fchrte sich nicht mehr. Das Kind zog an der Leine und weinte. Passanten gingen jedoch achtlos vorr\u00fcber. Ich stand am Fenster, meinen Kopf an die k\u00fchle Scheibe gelehnt, und weinte. Ich trauerte um den Hund. Pl\u00f6tzlich sp\u00fcrte ich eine Hand auf meiner Schulter: Ein Freund l\u00e4chelte mich an, ohne etwas zu sagen. Mit einem Kopfnicken wies er auf den Hund, der jetzt wieder auf allen Vieren stand, mit dem Schwanz wedelte und mit einem lachenden h\u00fcpfenden Kind verschwand. Ich drehte mich um und war wieder allein. Mein Freund war verschwunden.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich war ich in einem lichten Wald. Es roch nach Kiefern und Meer. Unter mir Sand und Kiefernnadeln. Ein gewundener Waldweg f\u00fchrte steil bergauf. Der Weg war anstrengend und ich schnaufte etwas. Neben mir lief eine Freundin. Sie sprach ebenfalls kein Wort, blickte mich nur fragend an. Ich nahm sie an die Hand w\u00e4hrend wir weiter gingen, und sagte ihr, sie solle nur noch ein kleines bisschen warten, gleich w\u00fcrde sie es sehen. Sie vertraute mir und wir schafften gemeinsam den Aufstieg. Dann standen wir oben und blickten auf ein st\u00fcrmisches Meer hinab und der Anblick raubte uns gleicherma\u00dfen den Atem, so gewaltig und sch\u00f6n und vertraut war er. Das Meer war graublau und die Wellen, die unter uns an den Steilk\u00fcstenstrand donnerten, waren gigantisch. Unaufh\u00f6rlich wuchteten sie sich gegen den Felsen und ich schaute hinab und freute mich \u00fcber den Anblick. Ich wollte in dieses Meer, ich setzte bereits zum Sprung an, doch meine Freundin hielt mich l\u00e4chelnd zur\u00fcck und sagte nur: Noch nicht. Bald.<\/p>\n<p>Dann war ich pl\u00f6zlich wieder in dem vornehmen alten Hotel. Ich betrat z\u00f6gernd einen Raum, dessen T\u00fcr nur angelehnt war. Es war ein gro\u00dfes Schlafzimmer, mit schweren Vorh\u00e4ngen an den W\u00e4nden, rustikalen alten aber sehr gepflegten M\u00f6beln, alles mit dunklem Samt \u00fcberzogen und mit Teppich ausgelegt. Trotzdem wirkte der Raum einladend. Ich trat ein und wurde von einer \u00e4lteren Frau mit einem warmen L\u00e4cheln begr\u00fc\u00dft. Ich glaube, ich kannte sie, aber ich konnte mich nicht an ihren Namen erinneren, oder woher wir uns kennen w\u00fcrden. Auch sie sprach kein Wort, schlug aber mit einer einladenden Geste die bestickte Decke des Bettes auf. Ich verstand, hatte auch schon einen weichen wei\u00dfen Schlafanzug an und verschwand in dem Bett. Alles um mich herum wurde beruhigend dunkel. Ich war zu hause.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zuerst war es ein Spiel, wir waren eine Gruppe, aber ich erkannte keine Gesichter. Nur das von Misha. Misha war das Ziel. Er rannte pl\u00f6tzlich los und wir sollten ihm 6 Minuten Vorsprung geben, bevor wir ihn verfolgen durften. 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