{"id":246,"date":"2010-01-30T17:29:16","date_gmt":"2010-01-30T16:29:16","guid":{"rendered":"http:\/\/sajec.de\/blog\/?p=246"},"modified":"2010-01-30T17:35:39","modified_gmt":"2010-01-30T16:35:39","slug":"exorcismus-an-der-supermarkt-kasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/exorcismus-an-der-supermarkt-kasse\/","title":{"rendered":"Exorcismus an der Supermarkt-Kasse"},"content":{"rendered":"<p>Ich gebe zu, manchmal stelle ich mich ungeschickt an und b\u00fcgel auch schon mal auf das selbst gestaltete T-Shirt den Satz: \u201cUnd eh du fragst &#8211; Klar ist das Bela B., der beste Drummer der Welt!\u201d verkehrt herum unter das vergn\u00fcgt grinsende Abbild meines Lieblingsschlagzeugers. Hindert mich das daran, mit diesem T-Shirt einen Supermarkt zu betreten? In keinster Weise, warum auch? Also st\u00fcrmte ich gut gelaunt und mit Bela B. Bild auf der Brust das hier ans\u00e4ssige KAUFLAND.<!--more-->Shoppingcenter betrete ich aus religi\u00f6sen und eher sinnlosen Gr\u00fcnden ausschlie\u00dflich mit angelegten In-Ear-Kopfh\u00f6rern, aus denen meine jeweilige Lieblingsmusik direkt ins Gehirn geleitet wird. Die Folge dieser Art von Audio-Gehirnw\u00e4sche ist ein beseeltes L\u00e4cheln und die (meist st\u00fcmperhaften) Versuche meinerseits, irgendwie unauff\u00e4llig mitzusingen. So schlendere ich ziemlich entspannt durch Regalschluchten. Wie gestern auch, inklusive besagten extravaganten Bela-B-T-Shirt mit der auf den Kopf gestellten Bildunterschrift.<\/p>\n<p>Bis hier hin hat das noch nicht viel mit Exorcismus zu tun. Der fand erst an der Supermarktkasse statt. Jedenfalls eine Karrikatur davon.<\/p>\n<p>Ich stehe also an einer dieser Kassen und stelle zwischen zwei Akkorden im Gehirn fest, dass es mal wieder die falsche Kasse war. Klar. Aber: Wenn ein bestimmter Texaner mir ununterbrochen ins Ohr tr\u00e4llert, dass ich ihm Liebe gebe, dann stehe ich mir gerne auch mal die Beine in den Bauch. St\u00f6rt mich dann gar nicht. Ich bin im Rausch.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich: eine merkw\u00fcrdige Bewegung auf 12 Uhr.<\/p>\n<p>Der schon etwas \u00e4ltere Kleinstadtrocker vor mir  in Lederweste, Nietenjeans, Nasenring und mit sch\u00fctterem Haar verrenkt sich im Kassenkanal. Seine Oberarm-T\u00e4towierung ist auch schon Rentner und war fr\u00fcher wohl mal eine sexy Lady, hat jetzt aber gr\u00f6\u00dfere \u00c4hnlichkeit mit einem Mopps. Offensichtlich versucht Senior-Rambo meinen Bela-B-Spruch zu entziffern. Sein Kopf ist mittlerweile auf meine H\u00fcfth\u00f6he abgetaucht und um 90 Grad verdreht. Zwei Augen schielen mich grinsend an und wie in einem Stummfilm \u00f6ffnet er den Mund. Da ich aber immer noch in Grazy-in-Love-Land bin (und gedenke da auch zu bleiben), entgeht mir das, was er zu sagen versucht.  Sein euphorisches Grinsen interpretiere ich jedoch als Ausdruck seiner gerade entdeckten Erleuchtung, wem ich da auf der Brust huldige. Dann erinnert ihn sein R\u00fccken an sein Alter oder auch umgedreht und einen Augenblick sp\u00e4ter greift er sich an seine R\u00fcckseite, verdreht die Augen d\u00e4monisch und st\u00f6hnt so mitleidig, dass die Kassiererin panisch mit den Armen zu fuchteln beginnt. Ich nehme vorsichtshalber einen Kopfh\u00f6rer aus meinem Geh\u00f6rgang und bereite mich mental darauf vor, blitzartig einem Schwall halbverdaute Erbsensuppe inklusive seiner Dritten auszuweichen, indem ich in den Zigarettenstand springe. Dazu kommt es zum Gl\u00fcck nicht mehr. Der Rocker steht wieder senkrecht an der Kasse und kramt ein zerfleddertes Portmonee aus seiner Ges\u00e4\u00dftasche. Auch die Kassiererin atmet h\u00f6rbar erleichtert auf und schleift piepsend seine restliche Tempotaschentuchpackungen und die Katzenfutterdosen \u00fcber den Scanner. Ich st\u00f6psel mich wieder in texanisches Stereo, spreche noch ein kleines lateinisches D\u00e4monen-pull-out-Ritual und grinse zufrieden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich gebe zu, manchmal stelle ich mich ungeschickt an und b\u00fcgel auch schon mal auf das selbst gestaltete T-Shirt den Satz: \u201cUnd eh du fragst &#8211; Klar ist das Bela B., der beste Drummer der Welt!\u201d verkehrt herum unter das &hellip; <a href=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/exorcismus-an-der-supermarkt-kasse\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-246","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/246","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=246"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/246\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":248,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/246\/revisions\/248"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=246"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=246"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=246"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}