{"id":261,"date":"2010-01-31T11:23:07","date_gmt":"2010-01-31T10:23:07","guid":{"rendered":"http:\/\/sajec.de\/blog\/?p=261"},"modified":"2010-01-31T11:25:26","modified_gmt":"2010-01-31T10:25:26","slug":"der-ermordete-kuss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/der-ermordete-kuss\/","title":{"rendered":"Der ermordete Kuss"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000000;\">Hubby fand sie wieder. Und so m\u00f6chte ich euch diese Geschichte nicht vorenthalten, auch wenn sie traurig ist. Sehr traurig &#8211; und tiefer einschneidet, als alle anderen. Aber das wurde mir erst sehr viel sp\u00e4ter klar, dass mit dieser Geschichte alles anfing, alles seinen Lauf nahm und mich zu dem machte, was ich bin. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><strong>Ein Wort noch zur Warnung:<\/strong> Bitte lest nicht weiter, wenn ihr \u00e4hnliche schlimme Kindheitserfahrungen gemacht habt, mit Menschen, denen ihr vertrautet, die euch aber ausnutzten, missbrauchten, und mehr als euren K\u00f6rper verletzten &#8230; <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><strong>Der ermordete Kuss<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Durch das kaputte Dachfenster zw\u00e4ngte sich ein Lichtstrahl und lies die tanzenden Staubk\u00f6rnchen des Dachbodens  glitzern. Es roch nach trockenem Holz, Staub und alten Zeitungen. Ein M\u00e4dchen, nicht \u00e4lter als 8 Jahre, betrachtete durch die Holzgitterst\u00e4be die Tauben in dem kleinen Verschlag. Eigentlich durfte sie nicht hier sein. Keines der Kinder des Mietshauses durfte allein auf dem Dachboden herumst\u00f6bern. Selbstverst\u00e4ndlich war es gerade deswegen besonders aufregend, den Dachboden  mit seinen Nieschen, Verschl\u00e4gen, alten Truhen und Geheimnissen zu erforschen.<\/p>\n<p>Heute jedoch war Sophie allein. Sie hockte sich vor den Taubenverschlag und schaute den V\u00f6geln zu, wie sie auf den kleinen Stangen sa\u00dfen, sich das Gefieder putzten, sich aufplusterten und die K\u00f6pfe unter die Fl\u00fcgel steckten, um zu schlafen. Einige pickten die hingestreuten K\u00f6rner auf, und st\u00e4ndig kamen neue Tauben durch das offen stehende Dachlukenfenster  herein, w\u00e4hrend andere den Verschlag nach einer Weile wieder verlie\u00dfen. Sophie lauschte ihrem Gurren und erz\u00e4hlte ihnen von ihrem Tag. Sie mochte die Tauben, und wenn sie die Augen schloss, dann war sie Aschenputtel &#8211; und das waren ihre Tauben.<\/p>\n<p>Und dann war Sophie nicht mehr allein.<\/p>\n<p>Sie bemerkte ihn zu sp\u00e4t, er hatte die T\u00fcr bereits hinter sich abgeschlossen und den Schl\u00fcssel in seine Hosentasche gesteckt. Langsam kam er auf Sophie zu und hockte sich neben sie auf den Holzfu\u00dfboden. Er roch nach Bier und Zigaretten. Sophie hatte keine Angst, sie kannte den Mann. Ihm geh\u00f6rten die Tauben. Er versprach ihr, den Verschlag zu \u00f6ffnen, und sie w\u00fcrde sogar eine der T\u00e4ubchen streicheln k\u00f6nnen &#8211; sp\u00e4ter. Sophie war begeistert. Der Mann streichelte dem M\u00e4dchen durch die langen Haare und wie unabsichtlich fuhr seine Hand \u00fcber ihren Nacken. Sophie kicherte, denn es kitzelte. Der Mann zog das M\u00e4dchen n\u00e4her zu sich heran. Er fl\u00fcsterte ihr ins Ohr, das sie wie eine kleine Prinzessin w\u00e4re. Seine H\u00e4nde waren pl\u00f6tzlich \u00fcberall an ihr, streichelten den M\u00e4dchenk\u00f6rper und zogen ihr das T-Shirt hoch. Sophie mochte das nicht. Aber er versprach ihr, gleich den Schl\u00fcssel f\u00fcr den Verschlag zu holen, dann w\u00fcrde sie eine der Tauben in der Hand halten und streicheln k\u00f6nnen, sie m\u00fcsste jetzt nur ein bisschen lieb zu ihm sein. Prinzessinnen sind doch lieb, fl\u00fcsterte er ihr wiederholt zu und sein widerlicher Atem lies Sophie fr\u00f6steln. Seine gro\u00dfen H\u00e4nde waren unterdessen zwischen ihren Beinen. Langsam zog er dem M\u00e4dchen zuerst die Strumpfhose, dann auch den Slip herunter. Sophie versteifte sich und blickte erstarrt auf die Tauben in dem Verschlag. Sie ahnte, dass etwas ganz und gar nicht richtig war. Hab keine Angst, fl\u00fcsterte der Mann. M\u00e4nner tun mit Frauen diese Sachen, wenn sie sich lieb haben. Du bist doch schon fast gro\u00df, Prinzessin. Sein stinkender, widerlicher Atem ging nun schneller, er keuchte und schwitzte. Er drehte Sophies Kopf zu sich herum und presste seinen Mund auf den ihren. Seine Zunge drang in ihren Mund ein. Sophie wollte zur\u00fcckweichen, doch die M\u00e4nnerh\u00e4nde hielten sie fest umklammert. Sophie versuchte, ihren Kopf wegzudrehen und Angst kroch in sie. Das war nicht richtig! Das konnte nicht richtig sein!  Wieder presste der Mann seinen Mund auf den Kindermund, und von den Bier und dem Zigarettengestank wurde Sophie \u00fcbel. Sie versuchte, den Mann von sich wegzudr\u00fccken. Seine abscheuliche Zunge war noch immer  in ihr.<\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p>Endlich gelang es ihr, ein paar Schritte zur\u00fcckzuweichen. Fast w\u00e4re sie gefallen. Schnell brachte sie ihre Kleidung in Ordnung, ohne den Mann aus den Augen zu lassen. Der Mann erhob sich, fast schien er unschl\u00fcssig, was er  nun tun sollte. Er fasste Sophie grob an den Haaren und zischte: Wenn du etwas davon erz\u00e4hlst, muss ich alle Tauben t\u00f6ten! Das bleibt unser kleines Geheimnis! Du magst doch die Tauben?! Du willst doch nicht, dass ich sie t\u00f6te?<\/p>\n<p>Sophie sch\u00fcttelte nur den Kopf, unf\u00e4hig etwas zu sagen.<\/p>\n<p>Wortlos schloss der Mann die Bodent\u00fcr auf und Sophie huschte hinaus.<\/p>\n<p>Sie ahnte nicht, dass sie erst 30 Jahre sp\u00e4ter weinen w\u00fcrde, weil an jenem Nachmittag auf dem Dachboden ihre K\u00fcsse ermordet wurden. Sie wurden ihr genommen. Sie k\u00fcsste niemals in ihrem Leben. Sie w\u00fcnschte, sie k\u00f6nnte es wenigstens einmal erfahren: einen Kuss, so, wie der  Prinz seine Prinzessin k\u00fcsst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hubby fand sie wieder. Und so m\u00f6chte ich euch diese Geschichte nicht vorenthalten, auch wenn sie traurig ist. Sehr traurig &#8211; und tiefer einschneidet, als alle anderen. 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