{"id":3845,"date":"2011-03-05T22:32:11","date_gmt":"2011-03-05T21:32:11","guid":{"rendered":"http:\/\/sajec.de\/blog\/?p=3845"},"modified":"2011-03-05T22:33:25","modified_gmt":"2011-03-05T21:33:25","slug":"der-teddybar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/der-teddybar\/","title":{"rendered":"Der Teddyb\u00e4r"},"content":{"rendered":"<p><em><strong><span style=\"color: #33033a;\">Vorwort: Das ist meine erste \u201e\u00f6ffentliche\u201c Geschichte, entstanden ist sie im Jahr 1994. Sie ist ein klein wenig auch Scherbenglanz.<\/span><\/strong><\/em><\/p>\n<p>Es war dunkel und kalt in der kleinen Kammer, die meinem j\u00fcngeren Bruder und mir als Kinderzimmer diente. Ich hatte mich in meine Bettdecke gekuschelt und lauschte, schon etwas schl\u00e4frig, den Ger\u00e4uschen, die von der Stra\u00dfe durch das offene Fenster drangen. Aus dem Lokal unter unserem Zimmer h\u00f6rte man dumpf Musik, Wortfetzen und Gel\u00e4chter. Hin und wieder erhellten Lichter vorbeifahrender Autos f\u00fcr einige Augeblicke die Kammer und groteske Schatten tanzten dann \u00fcber die W\u00e4nde.<\/p>\n<p>Es war eine dunkle Novembernacht, ich war zehn und ich f\u00fchlte mich unter meiner Decke geborgen.<\/p>\n<p>Aus irgendeinem Grund wurde mein Bruder im Bett neben mir unruhig. Vielleicht, weil seine Bettdecke sich verheddert hatte, vielleicht st\u00f6rten ihn auch nur die Ger\u00e4usche die von der n\u00e4chtlichen Stra\u00dfe durch das ge\u00f6ffnete Fenster in unser Zimmer hineinwehten. Aufmerksam geworden richtete ich mich in meinem Bett auf und beobachtete, wie sich mein Bruder regelrecht in seine Wut hineinsteigerte und schlie\u00dflich alles an einem alten, zerzausten Teddyb\u00e4ren auslie\u00df. Er zerrte erbarmungslos an den Ohren des Stoffb\u00e4ren, schlug mit seinen F\u00e4usten auf ihn ein, beschimpfte und beleidigte ihn und versuchte sogar, eines der schwarzen Knopfaugen abzurei\u00dfen. Schlie\u00dflich warf er den Pl\u00fcschb\u00e4ren ver\u00e4chtlich in eine Ecke, brachte sein Bett in Ordnung, drehte sich auf die andere Seite und schien den Vorfall bereits wieder vergessen zu haben.<\/p>\n<p>Schweigend und verwirrt hatte ich dem pl\u00f6tzlichen Wutausbruch zugesehen. Nun schien wieder alles in Ordnung zu sein und so kuschelte ich mich tiefer in meine Decke und wollte den Vorfall ebenfalls vergessen. Seufzend schloss ich meine Augen.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich h\u00f6rte ich es: ein leises Wimmern aus der Ecke, in der der Teddy lag. Verwundert sah ich zu der kleinen j\u00e4mmerlichen B\u00e4rengestalt hin\u00fcber. Je l\u00e4nger ich den Pl\u00fcschb\u00e4ren anstarrte, um so deutlicher konnte ich seine Traurigkeit, Einsamkeit und Verzweiflung fast k\u00f6rperlich sp\u00fcren. Er schluchzte und dicke Tr\u00e4nen kullerten \u00fcber sein B\u00e4rengesicht, glitzerten in der Dunkelheit. Sein Fell war schmutzig und zerzaust, er war allein, er war hilflos und ihm war ganz bestimmt auch kalt. Seine schwarzen Knopfaugen schimmerten und blickten mich bek\u00fcmmert an. Zaghaft hob er seine Tatze und flehte: &#8218;Hilf mir bitte, es ist so kalt hier!&#8216;. Hoffnung flog \u00fcber sein B\u00e4ren-Gesicht.<\/p>\n<p>Ich musste dem Teddyb\u00e4ren helfen! Er brauchte mich jetzt. Und empfand ich nicht auch manchmal so wie er in diesem Augenblick? Unverstanden, allein, ausgesto\u00dfen?<\/p>\n<p>&#8222;Ich komme kleiner Teddy&#8220; fl\u00fcsterte ich ihm zu und barfu\u00df schlich ich \u00fcber die kalten Fu\u00dfbodenfliesen zu ihm hin, nahm ihn in meine Arme und dr\u00fcckte ihn fest an mich. Aneinandergeklammert huschten wir in mein Bett zur\u00fcck. Tr\u00f6stend streichelte ich das Pl\u00fcschb\u00e4rchen und sprach beruhigende Worte in sein Ohr. Erleichterung durchstr\u00f6mte und erw\u00e4rmte mich und der Teddy brummte dankbar. Er hatte vor der kalten einsamen Nacht Zuflucht gefunden. Eng aneinandergeschmiegt schliefen wir ein und ich tr\u00e4umte in jener Nacht von einem kleinen wei\u00dfen Teddyb\u00e4ren mit schwarzen Knopfaugen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorwort: Das ist meine erste \u201e\u00f6ffentliche\u201c Geschichte, entstanden ist sie im Jahr 1994. Sie ist ein klein wenig auch Scherbenglanz. Es war dunkel und kalt in der kleinen Kammer, die meinem j\u00fcngeren Bruder und mir als Kinderzimmer diente. Ich hatte &hellip; <a href=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/der-teddybar\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[3,13],"tags":[],"class_list":["post-3845","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichten","category-scherbenglanz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3845","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3845"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3845\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3850,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3845\/revisions\/3850"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3845"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3845"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3845"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}