{"id":3926,"date":"2011-03-13T12:53:06","date_gmt":"2011-03-13T11:53:06","guid":{"rendered":"http:\/\/sajec.de\/blog\/?p=3926"},"modified":"2011-03-13T12:53:06","modified_gmt":"2011-03-13T11:53:06","slug":"muschel-sterne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/muschel-sterne\/","title":{"rendered":"Muschel-Sterne"},"content":{"rendered":"<p>In dem schmalen Becken kr\u00e4uselte sich die Wasseroberfl\u00e4che und verzerrte das Abbild der Fotografie auf dessen Grund. Das Licht war diffus und scheinbar spiegelten sich tausende Kerzenstrahlen an den gefliesten blauen Mosaikw\u00e4nden. Ich stand vor dem Becken, JMacLean neben mir. Schweigend warteten wir darauf, dass die Fotografie auf dem Grund deutlicher werden und ihr Geheimnis Preis geben w\u00fcrde. Sie tat es nach und nach. Ein Wesen wurde sichtbar, das den K\u00f6rper einer Raupe hatte, aus dem unz\u00e4hlige Arme und Beine wuchsen. Die Fotografie ver\u00e4nderte sich und ich wusste nicht, ob es an dem bewegten Wasser lag, die mir eine optische T\u00e4uschung vorgaukelte, oder sich das Raupen-Wesen tats\u00e4chlich vor unseren Augen ver\u00e4nderte. Dann verbrannte die Fotografie unter dem Wasser, verkohlte vor unseren Augen und l\u00f6ste sich in schwarzes Wasser auf. Wir hatten eine Aufgabe erhalten; wir sollten das Wesen finden.<\/p>\n<p>Noch bevor ich dar\u00fcber nachdenken konnte, wo mit der Suche begonnen werden konnte, drehte ich mich um, und wie zuvor die Fotografie zerfloss in schwarzen Rauch, so zerfloss von einer Minute auf die andere auch der geflieste Raum mit den tausenden Kerzen. Ich stand ganz still und es beruhigte mich zu wissen, dass ich nicht allein war, auch wenn ich JMacLean neben mir nicht mehr sehen konnte, sp\u00fcrte ich ihre Anwesenheit.<\/p>\n<p>Szenewechsel: Eine H\u00e4userschlucht, Dunkelheit, Gaslaternen, die die Dunkelheit nur wenig bezwangen, sie scheinbar noch dichter machten. Kein Mensch war zu sehen. In meinen H\u00e4nden hielt ich eine weitere Fotografie, die das schwarz-wei\u00dfe Abbild einer Muschel zeigte. Ich schaute mich um, unschl\u00fcssig, in welche Richtung ich gehen sollte. Dann blickte ich nach oben. \u00dcber der schmalen steilen H\u00e4userwand schimmerte ein nachtschwarzer Himmel, mit Sternen \u00fcbers\u00e4t. Die Sterne schienen zu schwimmen, wie eine Wolke aus Sardinen in einem dunkelblauen Meer. Eine T\u00fcr \u00f6ffnete sich einen Spalt breit und ich trat \u2013 die Sternenwolke \u00fcber mir hinter mich lassend \u2013 in einen winzigen schmalen Flur. Auch hier waren die W\u00e4nde bedr\u00fcckend eng, es gab nur Platz f\u00fcr einen Menschen. Die W\u00e4nde waren mit Samt bespannt und mit Bildern behangen, die man nur erkannte, wenn man direkt vor ihnen stand. Gem\u00e4lde mir fremder Personen, deren Augen mich feindselig anstarrten und mich verfolgten. Noch immer die Muschel-Fotografie in den H\u00e4nden haltend, eilte ich durch den Flur, an dessen Ende eine Kerze schimmerte. Sie war mein Ziel. Doch so sehr ich auch auf sie hinsteuerte, desto weiter entfernte sie sich auch von mir. Verzweiflung wollte sich in mein Herz krallen und die b\u00f6sen Augen in den Gem\u00e4lden schienen mich zu verh\u00f6hnen. Also lief ich weiter, lief und lief, nicht nach rechts oder links schauend, immer dem Kerzenschein entgegen \u2013 und pl\u00f6tzlich sprengten sich die W\u00e4nde auseinander, das Universum um mich herum zersplitterte ein weiteres Mal und erstaunt stellte ich fest, dass ich in dem Sternenmeer war, umgeben von Millionen Lichtern, die mich umschw\u00e4rmten. Ich war in deren Mitte und sah in der Ferne, wie wir gemeinsam die Muschel formten, deren Fotografie ich in den H\u00e4nden gehalten hatte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dem schmalen Becken kr\u00e4uselte sich die Wasseroberfl\u00e4che und verzerrte das Abbild der Fotografie auf dessen Grund. Das Licht war diffus und scheinbar spiegelten sich tausende Kerzenstrahlen an den gefliesten blauen Mosaikw\u00e4nden. 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