{"id":4227,"date":"2011-05-29T13:35:49","date_gmt":"2011-05-29T12:35:49","guid":{"rendered":"http:\/\/sajec.de\/blog\/?p=4227"},"modified":"2011-05-29T13:55:54","modified_gmt":"2011-05-29T12:55:54","slug":"moosgefluster","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/moosgefluster\/","title":{"rendered":"Moosgefl\u00fcster"},"content":{"rendered":"<p>Die Luft war schwer und durchdrungen von N\u00e4sse und Gr\u00fcn. Dicke Tropfen plumpsten von den Bl\u00e4ttern und spielten eine Sinfonie. Das Pl\u00e4tschern des nahen Rinnsals verschmolz mit den intensiven Farben des kleinen W\u00e4ldchens, Gr\u00fcn und Braun verwoben sich mit dem Geruch nach Pilzen und Moos. Zaghafte Sonnenstrahlen blinzelten durch die hohen B\u00e4ume und Spinnennetze an den Str\u00e4uchern verwandelten sich in wundersame funkelnde Gebilde. Sie\u00a0 kostete die Brombeeren direkt vom Strauch und summte. V\u00f6gel begannen ihr Gezwitscher und Sopie lauschte fasziniert und verzaubert, saugte Farben, Licht und Ger\u00e4usche in sich ein, atmete den Wald, f\u00fchlte die Feuchtigkeit mit ihren Fingern, die sanft \u00fcber das weiche nasse Moos glitten. Sie breitete die Arme aus und tanzte. Dann begann sie zu singen, in einer Sprache, die nur sie verstand und die keine \u00dcbersetzung brauchte. Sie war gl\u00fccklich, das hier war ihre Lichtung, ihr Platz, wo Wunder geschehen konnten, und sie geh\u00f6rte ihr. Sie bemerkte nicht die gierigen Blicke des jungen Mannes, der sich hinter einem Baum versteckt hielt und sie beobachtete.<\/p>\n<p>Als sie ihn entdeckte, zerst\u00f6rte sein unheilvolles falsches L\u00e4cheln die Magie des Ortes. Sophie rannte los. Sie rannte aus dem W\u00e4ldchen, hinaus auf die Wiese, deren Gras meterhoch stand. Sie h\u00f6rte seine Schritte und sein Rufen, sie m\u00f6ge stehenbleiben. Doch etwas trieb sie weiter, immer weiter. Fort. Schnell. Dann geschah es, sie st\u00fcrzte und augenblicklich sp\u00fcrte sie den Schmerz im Knie. Dann war er \u00fcber ihr und sie wehrte sich gegen ihn und seinen stinkigen Atem. Er war nur ein paar Jahre \u00e4lter als sie selbst und er roch nach Alkohol. Sophie kannte seinen Namen. Er grinste sie triumphierend an. Panik stieg in Sophie hoch und sie versucht, klar zu denken. &#8222;Ich kenne dich!&#8220; sagte sie ruhig und unterdr\u00fcckte den Schrei, der aus ihr herauswollte, so, wie sie die Tr\u00e4nen des Schmerzes unterdr\u00fcckte. &#8222;Ich kenne deinen Namen!&#8220;\u00a0 Mehr sagte sie nicht. Aber es reichte aus. Er erbleichte, schien wie aus Trance aufzuwachen und lie\u00df von ihr ab. &#8222;Es tut mir leid!&#8220;\u00a0 stotterte er und nun schien die Angst in seinem Gesicht zu erstarren. Sophie versuchte auf die Beine zu kommen, ignorierte den Schmerz und humpelte davon. Sie konnte das rechte Bein nicht belasten, das Knie versagte ihr und noch immer gestattete sie sich nicht, schwach zu wirken. Sie hinkte \u00fcber die Wiese, er folgte ihr langsam, unschl\u00fcssig, schweigend. &#8222;Geh weg!&#8220; schrie Sophie, und versuchte, den Abstand zwischen ihnen zu vergr\u00f6\u00dfern. &#8222;Es tut mir leid!&#8220; waren die einzigen Worte, die er herausbrachte.<\/p>\n<p>Sophie schleppte sich zum n\u00e4chsten Bauernhof. Der Bauer fuhr sie mit seinem Auto nach hause. Von dem Jungen erz\u00e4hlte sie niemanden. Sp\u00e4ter begegnete sie ihm manchmal auf dem Schulhof. Ihre Blicke trafen sich, seine \u00e4ngstlich, ihre ver\u00e4chtlich. Doch Sophie wahrte das Geheimnis, und trauerte nur um die geheimnisvolle Lichtung, deren Magie seitdem verschwunden war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Luft war schwer und durchdrungen von N\u00e4sse und Gr\u00fcn. Dicke Tropfen plumpsten von den Bl\u00e4ttern und spielten eine Sinfonie. 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