{"id":4704,"date":"2011-08-26T06:05:37","date_gmt":"2011-08-26T05:05:37","guid":{"rendered":"http:\/\/sajec.de\/blog\/?p=4704"},"modified":"2011-08-26T06:05:37","modified_gmt":"2011-08-26T05:05:37","slug":"denkmalschutzbehordenalltagsvorstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/denkmalschutzbehordenalltagsvorstellung\/","title":{"rendered":"Denkmalschutzbeh\u00f6rdenalltagsvorstellung"},"content":{"rendered":"<p><em>Nachmittags schreibe ich des\u00f6fteren in Abw\u00e4gungsunterlagen davon, dass bei Erdarbeiten eventuell ur- oder fr\u00fchgeschichtliche Funde gemacht werden k\u00f6nnten und die darf man ja dann nicht einfach ignorieren und wieder zubuddeln; nein, man ist verpflichtet, sofort die zust\u00e4ndige Stelle bla bla bla anzurufen. So etwas schreib ich also st\u00e4ndig in die textlichen Festsetzungen der Planungsunterlagen, weil es eben so im Gesetz steht und hier ja nicht jeder machen kann, was er will. Und jedesmal, wenn ich diesen Hinweis in einer neuen Abw\u00e4gung darniederschreibe, habe ich ein Bild im Kopf:<\/em><\/p>\n<p>Donnerstag Nachmittag in der Denkmalschutzbeh\u00f6rde, ein angestaubter B\u00fcrokomplex, wo nur eine Kaffeemaschine funktioniert, der Fu\u00dfboden knirscht, irgendwo ein altes Grammophon eine Schellackplatte wieder und wieder spielt, Kartons in allen Ecken stehen und die Zimmer mit Regalen vollgestopft sind. Alte Zeitungen stapeln sich und \u00fcber allen liegt so ein anmoderter Hauch von Ewigkeit. Die Fenster sind klein und die Au\u00dfenwand mit Efeu zugewachsen, als m\u00f6chte es das Geheimnis des Hauses vor allzuviel Aufmerksamkeit und Neugier bewahren. Die Beamten hier haben Zeit, viel Zeit. Und mit Dingen aus einer anderen Zeit besch\u00e4ftigen sie sich.<\/p>\n<p>Die meisten sind eine Art Eigenbr\u00f6dler, die nur widerwillig ihr B\u00fcro mit Kollegen teilen. Allein in ihren B\u00fcrozimmern hocken sie \u00fcber fr\u00fcher gefundene Tonscherben und Glassplitter, w\u00e4lzen Papier-Kataloge, w\u00e4hrend der Notebook-Monitor unbeachtet mit Google winkt; aber das mit dem Internet ist nichts f\u00fcr die Herren in den Cord-Anz\u00fcgen mit den Ellbogenschonern und den Blechbrotb\u00fcchsen. W\u00e4hrend sie sich \u00e4ltere Funde mit der Lupe anschauen, murmeln sie ununterbrochen in sich hinein. Gl\u00fccklich und zufrieden katalogisieren sie vor sich hin.<\/p>\n<p>Das Telefon, ein klobiger gr\u00fcner Klotz mit W\u00e4hlscheibe aus den 50iger Jahren des letzten Jahrhunderts, dessen Telefonh\u00f6rer noch schwer in der Hand liegt und sonst auf einer gigantischen Gabel schlummert, steht im Flur.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich: Das Schellen des Telefons hallt durch die Flure. Erstarrt halten alle inne. Es ist DAS Telefon! Jemand muss an das Telefon gehen!<\/p>\n<p>Minuten sp\u00e4ter nimmt der Dienst\u00e4lteste ab, lauscht schweigend in den H\u00f6rer, nickt ein paar Mal. Dann erh\u00f6ht sich seine Herzfrequenz. Sie haben etwas gefunden! &#8222;Wir schicken jemanden vorbei&#8220;, kann er gerade noch sagen, bevor er sich ans Herz fast und den H\u00f6rer auflegt. Er l\u00e4sst sich auf den B\u00fcrodrehstuhl sinken. Neugierig treten die Kollegen n\u00e4her. Es hat sich herumgesprochen, dass das Fundtelefon geklingelt hat. Es geht also wieder los. Neben dem Fundtelefon h\u00e4ngt ein Plan. Fein s\u00e4uberlich und in akkuratester Handschrift sind die Namen der Mitarbeiter darauf notiert und welche Fundstellen sie derzeit bearbeiten. Wer w\u00fcrde zu dem neuen Fundort fahren?<\/p>\n<p>Der Dienstf\u00fchrer nickt dem jungen Praktikanten zu, der &#8211; 30 Jahre j\u00fcnger und ebenso viele Kilos leichter als die Eminenzen des Denkmalschutzes &#8211; sich sofort auf das Fahrrad schwingt, um die Bauarbeiter daran zu hindern, die gefundene winzige Scherbe auch nur anzuhauchen. Die Bagger stehen so lange still, bis sich die Denkmalschutzbeauftragten selbst ein Bild von dem Fund gemacht haben. Doch erst einmal drehen sie die Schelllackplatte auf dem Grammophon um, werfen die Kaffeemaschine an und diskutieren aus, wer am besten geeignet ist, aus seiner B\u00fcroh\u00f6hle hinaus in das 21. Jahrhundert zu kriechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachmittags schreibe ich des\u00f6fteren in Abw\u00e4gungsunterlagen davon, dass bei Erdarbeiten eventuell ur- oder fr\u00fchgeschichtliche Funde gemacht werden k\u00f6nnten und die darf man ja dann nicht einfach ignorieren und wieder zubuddeln; nein, man ist verpflichtet, sofort die zust\u00e4ndige Stelle bla bla &hellip; <a href=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/denkmalschutzbehordenalltagsvorstellung\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1,3],"tags":[],"class_list":["post-4704","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tagebuch","category-geschichten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4704","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4704"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4704\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4705,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4704\/revisions\/4705"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4704"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4704"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}