{"id":474,"date":"2010-03-29T06:45:14","date_gmt":"2010-03-29T05:45:14","guid":{"rendered":"http:\/\/sajec.de\/blog\/?p=474"},"modified":"2010-04-13T12:24:32","modified_gmt":"2010-04-13T11:24:32","slug":"ein-ganz-normaler-tag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/ein-ganz-normaler-tag\/","title":{"rendered":"Ein ganz normaler Tag?"},"content":{"rendered":"<p><strong>7.33 Uhr<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Montag.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-486 alignnone\" title=\"Montag\" src=\"http:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Montag-300x199.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"199\" srcset=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Montag-300x199.jpg 300w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Montag-1024x681.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Montag Morgen im B\u00fcro. Wie immer habe ich zuerst meine Emails gecheckt. Wie immer quoll nur der Spam-Ordner \u00fcber. <strong>Twitter<\/strong> habe ich mir selbst verboten, und das ist auch gut so, denn meine Laune ist noch keinen Deut besser. Ich habe einfach Angst vor der kommenden Folge <strong>Supernatural<\/strong>.<\/p>\n<p><!--more-->Schlichte, nackte Angst, dass ich es nicht ertragen werde, zu sehen, wie ER stirbt. Weil es sich einmal mehr anf\u00fchlen wird, als wenn ich sterben m\u00fcsste. Bl\u00f6dsinn? Nur eine TV Serie? Ja, lacht ihr nur!<\/p>\n<p><span style=\"color: #800080;\"><span style=\"font-size: medium;\"><strong><span style=\"color: #333399;\">Ist ein Gef\u00fchl nur deswegen weniger real, weil es sich nicht auf eine wirkliche, greifbare Person bezieht?<\/span><\/strong><\/span><\/span><\/p>\n<p>Also: Klappe, ihr da drau\u00dfen! Sorry \u2013 aber ich sagte ja, meine Laune ist noch kein bisschen besser. Daran auch schuld: Ich geh\u00f6re zu den Menschen, die der geklauten Stunde vom Wochenende noch Tage hinterhertrauern. Sie fehlt mir einfach.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr hatte ich einen sehr merkw\u00fcrdigen <strong>Traum<\/strong>. Normalerweise w\u00fcrde ich den jetzt twittern, dann eben hier:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Es muss unmittelbar nach einem Krieg gewesen sein. Meine Schuhe waren klobig und schwer, unbequem und ich hatte einen h\u00f6lzerneren Koffer als einziges Gep\u00e4ckst\u00fcck bei mir. Mein Mantel war grob gewebt und an den Ellenbogen abgewetzt und geflickt. So stand ich auf einem Bahnhof, mit Tausenden anderen, gerade erst in einer mir unbekannten Stadt angekommen. In Trippelschritten liefen wir den Bahnsteig entlang Richtung Ausgang, dabei versuchte ich, einen Blick auf meine neue Heimat zu erhaschen. Ich sp\u00fcrte Angst und Neugier. Am Rand des schl\u00fcrfendes Zuges aus gebeugten, gebrochenen Menschen, standen bewaffnete Milizen, die betont ausdruckslos den Zug der Fl\u00fcchtlinge ignorierten. Endlich gelang es mir, auf die Stadt unterhalb des Bahnhofes zu blicken. Ich sah eine Reihe von Schornsteinen, die schwarzen Rauch in einen grauen Himmel spuckten, und Ruinen. Ich stie\u00df erstaunt meinen Vordermann an: &#8222;Schau, die Schornsteine dort, sie sind gar nicht zerst\u00f6rt!&#8220; Aus irgendeinem Grund \u00fcberraschte\u00a0mich diese Erkenntnis. Ich wu\u00dfte, in einer dieser dunklen Fabriken w\u00fcrde ich arbeiten m\u00fcssen.\u00a0Allein, ohne Freunde, der Tag nur bestehend aus Arbeit und Schlaf. Panik kroch in mich wie ein dunkler nasser Rauch und ich wollte weglaufen. Ich wu\u00dfte, dieses Leben ertrage ich nicht. Doch ich konnte nicht\u00a0weglaufen! Ich trippelte weiter in der Reihe der trostlosen, hoffnungslosen Fl\u00fcchtlinge. Oder waren es eher Gefangene?<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">\u201cPssst!\u201d fl\u00fcsterte der vor mir schl\u00fcrfende Mann. Ich kannte ihn nicht, aber ich klammerte mich an ihn, als wenn er mir den Weg zeigen k\u00f6nnte. Er nahm meine Hand und legte einen rauhen Finger auf meine Lippen. Und dann erkannte ich SEINE Augen!<\/p>\n<p><strong>10.45 Uhr<\/strong><\/p>\n<p>Zahnarzttermin. F\u00e4den ziehen. Ich habe die Kamera mitgenommen, und hoffte, unterwegs noch irgendwo anhalten zu k\u00f6nnen, um Fr\u00fchlingsbilder zu schie\u00dfen. Doch dann jagte die Zeit und der Job wartete. Vielleicht heute Abend.<\/p>\n<p><strong>14.00 Uhr <\/strong><\/p>\n<p>Email beantwortet. Es tut einerseits gut, zu wissen, dass es da Menschen gibt, die sich Gedanken und ja, auch Sorgen machen. Bitte, sorgt euch nicht. Es wird alles wieder gut. [Missbrauche ich meinen Blog gerade als Twitterersatz? Fast f\u00fchlt es sich so an!]<\/p>\n<p><strong>18.00 Uhr<\/strong><\/p>\n<p>Zu weit aus dem Seelenfenster gelehnt: R\u00fcckzug, aber pronto!<\/p>\n<p>Der Tag war mit Arbeit angef\u00fcllt, und das war gut so. Keine Zeit, l\u00e4nger den immer selben Gedanken nachzuh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Abends zu hause ist das nat\u00fcrlich anders. Aufh\u00f6ren! Aufwachen! Erwachsen werden! schreit der Verstand. Ich lass ihn schreien &#8230; und zieh mich noch etwas in mich zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>20.00 Uhr <\/strong><\/p>\n<p>Endlich wieder zu hause. Fix etwas zu essen gemacht und dann argw\u00f6hnisch den Fernseher angeschielt. Heute ist Montag &#8211; deutsche Supernatural-Zeit. Versucht, auf Twitter mit den anderen die Timeline zu rocken. Aber vermutlich verderbe ich nur wieder einige Launen &#8230; Ich wei\u00df nicht, hin und her gerissen &#8211; Mal wieder. Abwarten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>7.33 Uhr Montag Morgen im B\u00fcro. 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