{"id":4759,"date":"2011-09-13T18:59:22","date_gmt":"2011-09-13T17:59:22","guid":{"rendered":"http:\/\/sajec.de\/blog\/?p=4759"},"modified":"2011-09-13T19:02:57","modified_gmt":"2011-09-13T18:02:57","slug":"bemmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/bemmen\/","title":{"rendered":"Bemmen"},"content":{"rendered":"<p><em>Seltsam, wie sich manchmal Gedanken ins Gehirn schleichen, sich dort festtackern und dann bebloggt werden wollen. Heute: <strong>Bemmen<\/strong>.<\/em><\/p>\n<p>Bemmen sind Schnitten, belegte Brote, manche sagen auch Stullen dazu. Nichts Ungew\u00f6hnliches also, und ich wei\u00df auch gerade nicht, wo der Ausdruck &#8222;Bemme&#8220; genau herkommt. Ich kenne ihn jedenfalls, und Schulbrote zum Beispiel hie\u00dfen bei uns eben Bemmen oder Schnitten.<\/p>\n<p>Nun ist Bemme nicht gleich Bemme. In der Schule beneidete ich Ina, weil sie jeden Tag fein garnierte Schnitten aus ihrer Brotb\u00fcchse auspackte. Nat\u00fcrlich gesund; Vollkornbrot mit K\u00e4se oder Wurst, dazu auf der anderen Seite, in extra Alufolie eingepackt, geviertelte \u00c4pfel, Birnen oder sonstiges Obst, was man gerade ergattern konnte in Ostdeutschland oder was der heimische Garten so abwarf. Ich bin mir sicher, Ina&#8217;s Brotb\u00fcchse h\u00e4tte 10 Jahre lang immer den Preis f\u00fcr das perfekte, sozialistisch-gesunde Sch\u00fclerfr\u00fchst\u00fcck erhalten.<\/p>\n<p>In meiner Brotb\u00fcchse hingegen &#8211; so ich \u00fcberhaupt eine hatte &#8211; fanden sich immer nur zusammengeklebte Schnitten\/Bemmen, meistens mit Sachen drauf, die ich nur widerwillig und weil es eben nichts anderes gab verspeiste &#8211; oder an die Spatzen und Katzen verf\u00fctterte. Obst gab es maximal als ganze Frucht mit auf dem Weg, und genau so ganz brachte ich regelm\u00e4\u00dfig das Obst wieder mit nach Hause nach Schulschluss.<\/p>\n<p>Ich stellte mir oft vor, wie Ina&#8217;s Mutter jeden Morgen in der K\u00fcche stand und das Brot frisch f\u00fcr ihre Tochter belegte. Bei mir stand niemand in der K\u00fcche, die Schnitten wurden am Vorabend geschmiert und in den K\u00fchlschrank verfrachtet. Manchmal stand ich auch extra morgens eher auf, um mir selbst eine total gesunde Fr\u00fchst\u00fccksbemmenb\u00fcchse zu basteln. Doch das kam nicht oft vor und irgendwann verzichtete ich ganz auf selbstgeschmierte Bemmen, zu Gunsten von 10 Minuten l\u00e4nger schlafen k\u00f6nnen am Morgen. Da war jede Minute kostbar und Essen war mir nicht so wichtig. Wenn der Magen gar zu garstig in der gro\u00dfen Pause knurrte, schnorrte ich mir Brot von meinen Freunden oder wir pl\u00fcnderten verbotener Weise den B\u00e4cker im Kaufhaus gegen\u00fcber\u00a0 der Schule.<\/p>\n<p>Auch mein Vater hatte jahrzehntelang eine Brotb\u00fcchse. Sie war aus silbernen Blech und mit den Jahren arg zerbeult, aber sie tat ihren Dienst. Jeden Morgen bekam mein Vater seine Brotb\u00fcchse gef\u00fcllt, und jeden Abend, wenn er von seinem Dienst nach Hause kam, schepperte seine B\u00fcchse in der Sp\u00fcle. Er weigerte sich strikt, neue Brotb\u00fcchsen, mit denen er zum Geburtstag oder zu Weihnachten beschert wurde, zu benutzen. Seine alte silberne zerbeulte Brotb\u00fcchse begleitete ihn jeden Tag zu seiner Dienststelle, und er verga\u00df sie nie. Im Gegensatz zu mir: Ich verschluderte vermutlich gerade in der Anfangszeit meiner Schulzeit Unmengen von Brotb\u00fcchsen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seltsam, wie sich manchmal Gedanken ins Gehirn schleichen, sich dort festtackern und dann bebloggt werden wollen. Heute: Bemmen. Bemmen sind Schnitten, belegte Brote, manche sagen auch Stullen dazu. 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