{"id":4784,"date":"2011-09-21T15:41:05","date_gmt":"2011-09-21T14:41:05","guid":{"rendered":"http:\/\/sajec.de\/blog\/?p=4784"},"modified":"2011-09-21T15:46:11","modified_gmt":"2011-09-21T14:46:11","slug":"hochhausfliegerengel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/hochhausfliegerengel\/","title":{"rendered":"Hochhausfliegerengel"},"content":{"rendered":"<p>Wenn ich es nicht besser gewusst h\u00e4tte, h\u00e4tte ich mich in einem gigantischen Marmorprunksaal gew\u00e4hnt. Vielleicht in einem alten Schloss, Versailles etwa, obwohl ich nie dort war. Alles schien aus gl\u00e4nzendem Marmor zu bestehen: Der Fu\u00dfboden in gro\u00dfen Fliesen spiegelte warmes Licht von Laternen und Kronleuchtern. S\u00e4ulen ragten in eine Decke, die mit wei\u00dfem Stuck verziert war. \u00dcbergro\u00dfe Gem\u00e4lde hingen in goldenen verschn\u00f6rkelten Rahmen an den W\u00e4nden. Die W\u00e4nde selbst waren eher planlos in dem gigantischen Raum verteilt, Prunksaalraumteiler sozusagen. Und \u00fcberall wuselten Menschen wie Ameisen herum. Gesch\u00e4ftig liefen sie wie selbstverst\u00e4ndlich durch die Marmorpracht wie durch eine Bahnhofshalle. Manche standen in Gr\u00fcppchen zusammen und schienen auf etwas zu warten.<\/p>\n<p>Ich hatte es eilig. Irgendwie scheine ich es in meinen Tr\u00e4umen in letzter Zeit immer eilig zu haben. Zielstrebig steuerte ich links an einer Wand mit eben einem dieser Gem\u00e4lde vorbei und schlitterte \u00fcber eine winzige Marmortreppe um die Ecke. Wie erwartet sah ich das Schwimmbecken. Das blaue Chlorwasser stand still. Niemand war im Wasser. Meine Familie entdeckte ich an einem Tisch, wobei meine Tochter erheblich j\u00fcnger geworden war.\u00a0 Sie schleckte Eis. Mein Mann winkte mir zu. Ich lief auf sie zu und<\/p>\n<p>&#8230;.<\/p>\n<p>kam nie bei ihnen an. Sie verschwanden wie das Schwimmbad und der Marmorprunksaal. Ich stand auf einer Stra\u00dfe. Eine gem\u00fctliche Stra\u00dfe mitten in einer kleinen spie\u00dfigen Stadt mit Park und Marktplatz, die ich nie zuvor gesehen habe. Es schien Mittag zu sein, die Sonne stand hoch und auf dem einzigen Hochhaus, das glei\u00dfend das Mittagssonnenlicht zur\u00fcck auf die Stra\u00dfe warf und mich blinzeln lie\u00df, stand ein Mann. Nein, kein Mann, ein Engel. Gabriel! stellte ich fest, als ich genauer hin sah. Aber er war seltsam gekleidet: Er trug einen silbernen Ganzk\u00f6rperanzug und dar\u00fcber kurze goldene Hosen. Gabriel sah albern aus, und er schien es auch zu wissen, dass es albern aussah. Sein Gesichtsausdruck sprach B\u00e4nde. Ich h\u00f6rte ihn seufzen und dachte bei mir: Er wird doch nicht?! Aber er tat! Er breitete die Arme aus und st\u00fcrzte sich von dem Hochhaus. Sein silbernes Ganzk\u00f6rperkondom glitzerte im Sonnenlicht. Es sah f\u00fcr einen Moment lang h\u00fcbsch aus. Bis er unten aufschlug. Platt wie eine Engelflunder im falschen Supermannkost\u00fcm. Ich rannte zu ihm. Er blinzelte mich benommen an und murmelte ein Hallo! Danach folgte ein sehr verst\u00e4ndliches FUCK! Dann fiel Gabriel erneut in Ohnmacht. Ich sagte auch: Fuck!, und schleppte den gefallenen Engel in meine alte Altbauwohnung. Dort wartete bereits Bobby, der \u2013 wie ich mit einem Blick feststellte \u2013 meine K\u00fcche mit Spiegeleiern ruiniert hatte. Aber ich hatte keine Zeit, dar\u00fcber rumzumotzen. Bobby sah mich und den ausgeknockten Silberengel fragend an und r\u00e4umte das Sofa frei, auf das ich Gabriel fallen lie\u00df. Bobby stellte mir ungefragt ein Glas mit braunen Inhalt hin, das ich wie selbstverst\u00e4ndlich in mich hineinkippte.<\/p>\n<p>\u201eWo hast du den denn gefunden?\u201c wollte Bobby wissen.<\/p>\n<p>\u201eDer ist mir vor die F\u00fc\u00dfe gefallen!\u201c erkl\u00e4rte ich. \u201eHast du eine Ahnung, wieso die Engel sich sinnlos von Hochh\u00e4usern st\u00fcrzen und dabei auch noch so alberne Kost\u00fcme tragen?\u201c<\/p>\n<p>Bobby hatte keine Ahnung, zuckte nur mit den Schultern und verschwand aus dem Raum. Ich setzte mich zu Gabriel und hielt ihn mein Glas unter die Nase. Davon wurde er wach. Er hustete und schaute an sich hinunter. Er sah immer noch d\u00e4mlich aus in dem silbernen Anzug mit dem goldenen H\u00f6schen um die H\u00fcften. Gabriel fasste sich an den Kopf und st\u00f6hnte. Ich musste l\u00e4cheln bei dem Anblick, ein bisschen erinnerte er mich an mich selbst, wenn ich nach durchzechten und durchtanzten Partyn\u00e4chten aufwachte.<\/p>\n<p>\u201eWieso springst du in diesem albernen Sachen von einem Hochhaus?\u201c wollte ich wissen, als Gabriel halbwegs wieder in der Lage zu sein schien, Worte herauszubringen.<\/p>\n<p>\u201eDa war diese Bank &#8230;\u201c nuschelte er, \u201edarauf sa\u00dfen Zombies. Sie f\u00fctterten eine Katze mit Wei\u00dfbrot!\u201c<\/p>\n<p>Er sagte es in einem Tonfall, als w\u00fcrde das alles erkl\u00e4ren. Es erkl\u00e4rte nat\u00fcrlich gar nichts.<\/p>\n<p>Bobby kam wieder zu uns und brachte dem platten Gabriel anst\u00e4ndige Kleidung \u2013 n\u00e4mlich eine seiner Baseballm\u00fctzen.<\/p>\n<p>Gerade wollte ich Bobby nach dem mythologischen Zusammenhang von Zombies, Wei\u00dfbrot und Hochhausfliegerengeln fragen<\/p>\n<p>&#8230;<\/p>\n<p><em>da spielte das H\u00f6nd\u00fc Brothers in Arms von den Dire Straits. Ihr m\u00fcsst euch also selbst einen Reim darauf machen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich es nicht besser gewusst h\u00e4tte, h\u00e4tte ich mich in einem gigantischen Marmorprunksaal gew\u00e4hnt. Vielleicht in einem alten Schloss, Versailles etwa, obwohl ich nie dort war. 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