{"id":5593,"date":"2012-03-22T20:21:47","date_gmt":"2012-03-22T19:21:47","guid":{"rendered":"http:\/\/sajec.de\/blog\/?p=5593"},"modified":"2012-03-22T20:37:54","modified_gmt":"2012-03-22T19:37:54","slug":"schleedornzauberbeeren-magie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/schleedornzauberbeeren-magie\/","title":{"rendered":"Schleedornzauberbeeren-Magie"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte ja versprochen, noch den letzten wunderbaren Traum zu erz\u00e4hlen:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><strong>Traumzauberbeeren<\/strong><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Rotgolden strahlte die Abendsonne \u00fcber die D\u00e4cher. Ich stand auf einem Hochhausdachgarten und blickte auf die Lichter der Stadt unter mir. Aus dem Wohnzimmer erklang sanfte Musik und undefinierbares ged\u00e4mpftes Stimmengewirr. Erwartung breitete sich aus; denn ein Geschichtenerz\u00e4hler w\u00fcrde in wenigen Augenblicken beginnen, uns eine wunderbare und fantastische Erz\u00e4hlung in seiner eigenen Art zu pr\u00e4sentieren. Ich freute mich darauf und setzte mich in einen gem\u00fctlichen Korbsessel auf dem Dach. Ich f\u00fchlte mich wohl. Im Sonnenlicht funkelte der Wein in meinem Glas und ich steckte in einer wollig warmen Decke.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">ER setzte sich neben mich, ohne ein Wort zu sagen. ER brauchte nichts zu sagen, ER empfand wie ich und ich sp\u00fcrte es.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Der Geschichtenerz\u00e4hler, ein alter Mann mit wei\u00dfen Haaren und einem ebenso wei\u00dfen Vollbart, begann mit tiefer angenehmer Stimme seine Erz\u00e4hlung. Die Musik aus dem Wohnzimmer verstummte, immer mehr Menschen setzten sich um den Mann herum und lauschten fasziniert. Ich w\u00fcnschte mir, ewig sitzen bleiben zu k\u00f6nnen, in der Abendsonne, mit dem funkelnden Weinglas, auf der Dachterrasse, neben IHM.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">F\u00fcr einen Moment schloss ich die Augen, saugte den Augenblick f\u00f6rmlich in mich ein \u2026<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Doch als ich die Augen wieder \u00f6ffnete, waren der Geschichtenerz\u00e4hler, die Dachterrasse, das Weinglas, ja sogar die Abendsonne und vor allem ER verschwunden. Selbst die Zeit erschien mir falsch. Ich trug graue, grobe Kleidung und starrte auf eine gigantische alte Standuhr, die gerade 9 mal schlug. Verwirrt versuchte ich mich an das Geschehene zu erinnern, aber so sehr ich mich auch anstrengte, der Geschichtenerz\u00e4hler und die Dachterrasse verblassten immer mehr. Was blieb war das Gef\u00fchl, etwas verloren zu haben. JEMANDEN verloren zu haben.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Doch ich hatte keine Zeit mehr, weiter dar\u00fcber nachzudenken. Der Gong der Wanduhr mahnte mich, meinen Pflichten nachzukommen. Ich lief durch ein dunkles, nach altem Holz riechendes Geb\u00e4ude mit verschlungenen G\u00e4ngen und Holzt\u00fcren. An der Wand hingen Kerzenleuchter. Elektrisches Licht gab es nicht und die Einrichtung erschien mir antik. Ich beeilte mich, denn wenn ich meine Aufgabe nicht rechtzeitig erf\u00fcllen w\u00fcrde, drohte mir eine Strafe. So rannte ich durch die verwinkelten G\u00e4nge des dunklen alten Hauses, lief endlos scheinende Treppen erst herunter und andere dann wieder hinauf und erreichte schlie\u00dflich zwei gro\u00dfe Eichenholzt\u00fcren. Sie waren beide gigantisch gro\u00df und \u00fcberm\u00e4chtig und reich mit Schnitzarbeiten verziert. Mein Ziel, so wusste ich, lag hinter der linken T\u00fcr. Die andere war strengstens verboten; und doch zog mich diese T\u00fcr magisch an. Ich drehte den Messingknauf. \u00dcberrascht stellte ich fest, dass sie entgegen meiner Erwartung nicht verschlossen war und fast lautlos und wie von selbst aufschwang. Ich z\u00f6gerte keine Sekunde und schl\u00fcpfte hinein.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Vor mir lag ein unendlich scheinender Dachboden. Balken hingen von den niedrigen schr\u00e4gen Decken. Spinnweben rankten sich an allen W\u00e4nden und Ecken und Staubk\u00f6rner tanzten im sp\u00e4rlichen Licht, das durch die Dachritzen fiel. \u00dcberall standen Regale, auch frei im Raum verteilt, und voll gestopft mit B\u00fcchern und alten Leuchtlampen, Kugeln und seltsamen Kisten aller Gr\u00f6\u00dfen. Das Merkw\u00fcrdigste und Sch\u00f6nste jedoch waren die glitzernden Schleedornstr\u00e4ucher, die sich \u00fcberall an den Regalen entlang wie ein kleines Labyrinth schl\u00e4ngelten. Ihr Gr\u00fcn war so frisch und strahlend und dazwischen glitzerten Millionen Beerenperlen wie Schnee im Sonnenlicht. Es sah so wundervoll aus! Ich ging den funkelnden Schleedorn-Regalweg entlang und wann immer ich mit meinen groben grauen Kleidern an einen Beere stie\u00df, erklang ein zauberhafter heller Glockenton und begleitete mich, vermischte sich mit dem n\u00e4chsten zu einer wundersamen fr\u00f6hlichen Melodie.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Ich hatte meine Aufgabe v\u00f6llig vergessen und erreichte ein kleines Fensterchen. Um hindurchschauen zu k\u00f6nnen, musste ich mich hinhocken. In der Ferne ersp\u00e4hte ich einen gefrorenen See, auf dem sich Menschen tummelten, die von hier aus winzig aussahen. Sie liefen Schlittschuh. Die Abendsonne lie\u00df das Eis funkeln.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Und pl\u00f6tzlich erinnerte ich mich an das \u201eFr\u00fcher\u201c, an die Hochhausterrasse, den Geschichtenerz\u00e4hler, das Weinglas und an IHN. Ob er wohl jetzt da drau\u00dfen bei den Schlittschuh laufenden Menschen war? Ich konnte es nicht erkennen, so sehr ich mich auch anstrengte, IHN zu finden.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Urpl\u00f6tzlich jedoch, mit der einsetzenden Erinnerung, brach eine Wasserflut auf dem Dachboden aus. Die labyrinthischen G\u00e4nge verwandelten sich in Fl\u00fcsse und die Wasserfluten rissen mich von dem kleinen Fenster weg; in Strudel und Abgr\u00fcnde, die ich nicht aufhalten konnte. Wei\u00dfe Schleedornperlen wirbelten mit dem Wasser um mich herum wie Schneekr\u00fcmel in einer Schneekugel. Ich fiel endlos \u2026<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">und fiel &#8230; und fiel \u2026 Alles drehte sich um mich und ich hatte l\u00e4ngst jegliche Orientierung verloren. Doch ich versp\u00fcrte nicht den Hauch einer Angst, nur ma\u00dfloses Erstaunen. Schlie\u00dflich schienen die Fluten, die mich mitgerissen hatten, etwas langsamer zu werden, doch noch immer schaffte ich es nicht, mich aus ihnen zu befreien. Steuerlos trieb ich mit ihnen durch die G\u00e4nge des dunklen Hauses, vorbei an der gro\u00dfen Standuhr, die anklagend gongte.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Dann packten mich zwei starke feste H\u00e4nde und zogen mich sanft aus dem Wasser. Ich blickte in SEINE l\u00e4chelnden Augen. ER hatte den Weg zu mir gefunden, zur rechten Zeit. ER zeigte auf einen Gang, der mit Schleedornperlen \u00fcbers\u00e4ht war, und ich verstand \u2013 die Beerenperlen hatten IHN zu mir gef\u00fchrt.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">Vor uns \u00f6ffnete sich eine T\u00fcr; durch die wir gemeinsam das seltsame alte Haus mit seinem merkw\u00fcrdigen Dachboden und der klagenden Standuhr verlie\u00dfen. Wir \u201ematerialisierten\u201c in einem gem\u00fctlichen irischen Pub. Ein Kaminfeuer verbreitete wohlige W\u00e4rme und die G\u00e4ste lauschten einem Geschichtenerz\u00e4hler. Wir waren zu Hause. In unserer Zeit. Und ER war immer noch bei mir.<\/p>\n<p>&#8211; und das war seit Langem, trotz der Wasserflutenwildwasserfahrt, einer der sch\u00f6nsten Tr\u00e4ume, die ich jemals hatte. Danke, Mr Sandmann. \ud83d\ude42<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte ja versprochen, noch den letzten wunderbaren Traum zu erz\u00e4hlen: Traumzauberbeeren Rotgolden strahlte die Abendsonne \u00fcber die D\u00e4cher. Ich stand auf einem Hochhausdachgarten und blickte auf die Lichter der Stadt unter mir. Aus dem Wohnzimmer erklang sanfte Musik und &hellip; <a href=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/schleedornzauberbeeren-magie\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[],"class_list":["post-5593","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-traumsequenzen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5593","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5593"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5593\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5600,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5593\/revisions\/5600"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5593"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}