{"id":6533,"date":"2012-06-26T15:45:45","date_gmt":"2012-06-26T13:45:45","guid":{"rendered":"http:\/\/sajec.de\/blog\/?p=6533"},"modified":"2012-06-27T07:49:10","modified_gmt":"2012-06-27T05:49:10","slug":"zugfahr-eindrucke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/zugfahr-eindrucke\/","title":{"rendered":"Zugfahr-Eindr\u00fccke"},"content":{"rendered":"<p>Als Kind bin ich viel und auch gern Zug gefahren, kostete ja nichts f\u00fcr uns, da der Vater bei der (damals hie\u00df das noch so) Deutschen Reichsbahn der DDR besch\u00e4ftigt war. Aufregend war es f\u00fcr mich damals schon.<\/p>\n<p>Dann kamen viele Jahre nach der Wende, wo es mit dem Auto einfach bequemer und schneller war, von A nach B zu kommen.<\/p>\n<p>Deswegen freute ich mich auf die Zugfahrt am letzten Wochenende, von <strong>Nordenham nach Speyer<\/strong> und wieder zur\u00fcck. Zug deswegen, weil die Spritpreise, gerade als ich die Einladung zum BBQ in Speyer bekam, explodierten. Also buchte ich wild entschlossen ein Ticket f\u00fcr die Hin- und R\u00fcckfahrt und stellte dann erst fest, dass man schon bei der Onlinebuchung h\u00e4tte festlegen k\u00f6nnen, wie viele Minuten man mindestens zum Umsteigen haben m\u00f6chte. Da war ich aber schon auf dem Buchungsbutton geklettert und stand nun sowohl Hinzu&#8217;s wie auch bei der R\u00fcckfahrt am Sonntag vor der Herausforderung, den jeweiligen Anschlusszug innerhalb von 4 Minuten zu erwischen, ohne zu wissen, wo ich lande und wo ich dann \u00fcberhaupt hin muss. Quasi voll der Bahnfahr-Noob. Aber ich war bereit, hatte auch schon einige Geschichten \u00fcber &#8222;Thank you for traveling with Deutsche Bahn&#8220; geh\u00f6rt und war neugierig und aufgeregt, wie ein kleines Kind, das vor einem gro\u00dfen Abenteuer steht.<\/p>\n<p>Dann ging es endlich los; und es war so, wie ich es mir ausgemalt hatte. Die Zugt\u00fcren in Nordenham schlossen sich zischend hinter mir, es knackte und rauschte leise in versteckten Rohren. Von fr\u00fcher hatte ich diese Zugger\u00e4usche viel lauter und intensiver in Erinnerung, aber da zogen auch oft noch richtige Dampflocks die Wagons. Der Zug ruckte an und bald begann die Landschaft an mir vorbeizufliegen. Ich setzte mir meine In-Ear-Kopfh\u00f6rer auf und f\u00fchlte mich wie im Film.<\/p>\n<p>In Bremen hatte ich 40 Minuten Wartezeit; genug Zeit, um noch eben eine zu rauchen und mir einen Kaffee zu organisieren. Dann setzte ich mich abholbereit auf den betreffenden Bahnsteig und beobachtete die Leute. Leute beobachten ist eine meiner Lieblingsbesch\u00e4ftigungen; k\u00f6nnte ich stundenlang tun.<\/p>\n<p>Da war zum Beispiel die junge Europ\u00e4erin mit blonden Haaren und knall-rot geschminkt wie eine Puppe, gekleidet in einem rot-gelben Geisha-Gewand. Sie tippelte, obwohl sie keine Holzschuhe, sondern Nike&#8217;s trug, \u00fcber den Bahnsteig und war sich der Blicke wohl bewusst, die nicht nur ich ihr zuwarf.<\/p>\n<p>Es gesellte sich eine Familie zu mir, die augenscheinlich nur jemanden abholen wollten, denn sie hatten kein Gep\u00e4ck bei sich. Das kleine M\u00e4dchen, es mochte etwa 4 Jahre alt sein, zeigte mir stolz seine Elchsocken, die ich mit meinen blau-wei\u00dfen Ringelsocken nat\u00fcrlich in keinster Weise toppen konnte, und fragte abwechselnd Mama, Papa und mit-wartende Oma, wann denn endlich Timo nun k\u00e4me. Sie zappelte aufgeregt herum. Oma indessen beschwerte sich bei Sohnemann, dass die letzte Wagnerauff\u00fchrung im Fernsehen ja eine Zumutung gewesen w\u00e4re! Das B\u00fchnenbild w\u00e4re absto\u00dfend h\u00e4sslich gewesen, so modern! Und die S\u00e4nger und Ch\u00f6re im Lohengrin w\u00e4ren auch total h\u00e4sslich gewesen. Sohn gab ihr den glorreichen Ratschlag, das n\u00e4chste Mal einfach nur die Oper zu h\u00f6ren und das Bild wegzuschalten.<\/p>\n<p>Dann endlich fuhr der von dem Elchsocken-M\u00e4dchen sehnlichst erwartete Zug samt Timo ein und Papa sprintete los, um seinen \u00e4ltesten Spross zur restlichen Familie zu lotsen. Da erst sah ich, dass Timo &#8222;anders&#8220; war, ein h\u00fcbscher 16j\u00e4hriger Junge mit Down-Syndrom. Er wurde von seiner kleinen Schwester st\u00fcrmisch empfangen, das Dr\u00fccken und Umarmen nahm kein Ende und das M\u00e4dchen wollte sich gar nicht mehr von ihm trennen. Das Wiedersehen der beiden war herzerw\u00e4rmend.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6537\" title=\"Zug3\" src=\"http:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug3-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug3-300x225.jpg 300w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug3-150x112.jpg 150w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug3-400x300.jpg 400w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug3.jpg 945w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dann kam auch schon mein Zug eingefahren, und ich begab mich auf die Suche nach meinem bezahlten Platz. Der war aber schon besetzt. Der Besetzer sah seine Schuld ein und machte keinerlei Anstalten, sich mit mir um den Fensterplatz zu duellieren. Platzkarten sind eine nette Erfindung und wohl dem, der welche hat und dann auch noch im richtigen Zug sitzt. Die Z\u00fcge waren generell sehr voll, jetzt nicht \u00fcberquellend, aber ohne Platzkarte h\u00e4tte man unter Umst\u00e4nden doch stehen m\u00fcssen. Es quasselte hinten rechts leise auf Englisch und Holl\u00e4ndisch und Omas spazierten mit ihren Enkelkindern durch die G\u00e4nge. Koffer wurden hin- und hergewuchtet und an vielen hing noch ein Flugzettel dran. Wo die Leute wohl \u00fcberall gewesen waren? Und in ein paar wenigen Wochen w\u00fcrde ich erneut eine Zugreise antreten, die mich letztendlich nach Vancouver bringen wird; dann werde ich eine Riesenreisetasche durch die Zugg\u00e4nge schieben und vielleicht fragen sich dann die anderen Mitreisenden insgeheim, welches Ziel ich wohl haben w\u00fcrde, so, wie ich es mich jetzt bei den anderen fragte.<\/p>\n<p>Mit uns reiste eine v\u00f6llig und in besonders intensiv strahlendes Gr\u00fcn gekleidete, Russisch plappernde Platzhoppserin, die die digital angezeigten Reservierungen \u00fcber den Pl\u00e4tzen nicht begriff; demzufolge scheinbar Sitzplatzlotterie spielte und bei jedem Halt ihren Platz wieder abtreten musste, weil der Platzinhaber mit gutem Recht darauf bestand, seinen Hintern auf dem bezahlten Ledersitz abzulegen. Eine Mitreisende versuchte, ihr das Lesen der Platzreservierungsschilder beizubringen; aber ich glaube nicht, dass die Dame in Intensiv-Gr\u00fcn-Hose und \u2013Jacke das begriffen hat, denn sie sa\u00df mit traumwandlerischer Treffsicherheit immer genau auf dem Platz, der schon beim n\u00e4chsten Bahnhof vom Platzinhaber gest\u00fcrmt wurde.<\/p>\n<p>Derweil zogen Hinterh\u00f6fe und Stra\u00dfen an meinem Fenster vor\u00fcber; trostlose Gewerbegebiete, umgrenzt von bunt bemalten Mauern, und kleine vertr\u00e4umte Villen, hinter B\u00e4umen halb versteckt und wie \u00dcberreste aus einer l\u00e4ngst vergangenen Epoche, rauschten vorbei. Ich sah Menschen und Autos an den Bahn\u00fcberg\u00e4ngen warten, die keinerlei Notiz von dem ICE nahmen, in dem ich als eine von vielen Passagieren sa\u00df. Wir rasten vorbei an endlos scheinenden Wiesen und Feldern, in denen der Weizen bereits gelb stand. Ich beobachtete einen Bussard, der eine Kr\u00e4he \u00fcber das Feld scheuchte, grasende Rehe und stolzierende St\u00f6rche; sah die Wolken \u00fcber den Himmel ziehen und stellte mir vor, dass \u2013 w\u00e4re es jetzt wirklich wie im Film \u2013 bestimmt irgendwas passieren w\u00fcrde. Ein Flugzeugabsturz mitten auf das Feld; oder dass ein Ufo landet. Ob dann alle zu den Fenstern st\u00fcrzen w\u00fcrden? Oder w\u00fcrde der ICE wie geplant seinen Weg fortsetzen und Ufos und Flugzeugabst\u00fcrze ignorieren? Aber nichts geschah, es gab auch keine terroristische Schie\u00dferei im Zug und heroische FBI-Agenten, die alle retteten. Ich fuhr durch gr\u00fcne Tunnel, wenn rechts und links der Bahngleise B\u00e4ume und Str\u00e4ucher zu einem gr\u00fcnen Streifen sich vermischten, und manchmal ging komplett das Licht aus, wenn ein gemauerter Tunnel mich f\u00fcr Sekunden erschreckte. In meinen Ohren sangen Subway to Sally abwechselnd mit Annett Louisan.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6536\" title=\"Zug2\" src=\"http:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug2-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug2-300x225.jpg 300w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug2-150x112.jpg 150w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug2-400x300.jpg 400w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug2.jpg 945w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Ich erinnerte mich pl\u00f6tzlich, wie ich fr\u00fcher als Kind meinen Kopf jauchzend in den Fahrtwind streckte und die Handfl\u00e4chen wie kleine Drachen im Windsog reiten lie\u00df. Meine Haare flatterten und waren danach ganz strubbelig und zersaust. Manchmal versuchten wir auch, von den B\u00e4umen Bl\u00e4tter w\u00e4hrend der Fahrt abzureisen. Aber das war fr\u00fcher, als die Z\u00fcge noch gem\u00fctlich durch das Land bummelten. Heute bekommt man nirgends mehr ein Zugfenster ge\u00f6ffnet, was vermutlich auch ges\u00fcnder ist, wenn so ein ICE mit bis zu 300 km\/h durch Deutschland rast.<\/p>\n<p>Mein jeweiliges Umsteigen klappte tadellos. Einmal sa\u00df ich im falschen Wagen aber dort auf der richtigen Sitzplatznummer, habe es aber noch gemerkt und es rechtzeitig auf den von mir gebuchten Platz geschafft, so dass mich Jo auch anstandslos finden konnte. Gl\u00fccklicher Weise sa\u00dfen wir ab dann ganz offiziell platzkartenreserviert nebeneinander, obwohl wir unabh\u00e4ngig voneinander die Bahntickets gebucht hatten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6535\" title=\"Zug1\" src=\"http:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug1-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug1-300x225.jpg 300w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug1-150x112.jpg 150w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug1-400x300.jpg 400w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug1.jpg 945w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Und so verging die Zeit noch z\u00fcgiger. Mit ein bisschen Versp\u00e4tung kamen wir zwar dann in Mannheim an und mussten erst einmal eine Nummer ziehen, um dann beauskunftet zu werden, dass der n\u00e4chste Zug in ein paar Minuten gleich um die Ecke kommen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei Cat angekommen gab es Kaffee und Kuchen (also Kuchen f\u00fcr die anderen), Erz\u00e4hlungen, BBQ, Fu\u00dfball, Supernatural und eine Nachtwanderung und Vancouver-Routen-Besprechung nach dem Fr\u00fchst\u00fcck, bevor es auch schon wieder Richtung Heimat ging.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die R\u00fcckfahrt verlief dann weniger \u2013 na, sagen wir \u2013 geplant. Es fing damit an, dass Jo im Wagen 9 sa\u00df, w\u00e4hrend ich einen weiter meinen Platz zu suchen hatte. Wir versuchten zwar, die Mit-Platzierten zu bewegen, die Pl\u00e4tze schlicht zu tauschen, aber die wollten nicht. So mussten wir uns schon vorher verabschieden. Zwar stieg meine Sitzplatznachbarin dann am n\u00e4chsten Bahnhof aus, aber leider kamen auch st\u00e4ndig neue Platzierte wieder dazu.<\/p>\n<p>Das erste &#8222;gro\u00dfe&#8220; Umsteigen auf der Heimfahrt klappte auch, ich hatte ja fast 30 Minuten dazu Zeit. Also noch eben eine geraucht, auf Toilette gesprintet, Bahnsteig gesucht, Zug und Platz gefunden, ausgebreitet &#8230; und dann ging es los:<\/p>\n<p>Bzw. es ging nicht los; der Zug von K\u00f6ln nach Dortmund (wo ich die herausfordernden 3 bis 4 Minuten Umsteigezeit hatte) fuhr einfach nicht los. Minute um Minute verstrich, nach 20 Minuten stand der Zug immer noch unbeweglich, niemand wusste was Genaues, ein Zugbegleiter lie\u00df sich auch nicht blicken. Dann endlich eine hustende, nuschelnde Lautsprecherstimme, die sich st\u00e4ndig r\u00e4usperte und gelangweilt irgendwas von Bremsproblemen faselte. Die Pausen in diesen Ansagen waren teilweise so lang, dass man nicht sicher sein konnte, ob er nicht doch mitten im Satz eingeschlafen ist. \u00dcberall wurden Handytelefonate gef\u00fchrt, um mitzuteilen, dass man mit der Deutschen Bahn steht und vermutlich nicht dann ankommt, wann man dachte, anzukommen. Irgendwann knackte es mal wieder in der Leitung und man vernahm die genuschelte Bekanntmachung, dass ein anderer Zug nach Hamburg in 5 Minuten von Gleis sowieso abfahren w\u00fcrde. Hektisch pfl\u00fcckten so ziemlich alle Passagiere ihre Koffer und Taschen von den Gep\u00e4cktr\u00e4gern, jackten sich ein und rammelten durch die G\u00e4nge. Ich auch, denn niemand wusste, ob dieser Zug jemals losfahren w\u00fcrde. Und Hamburg klingt ja schon mal mehr nach Norden und damit Heimat, als K\u00f6ln. Doch noch hatten wir nicht die T\u00fcren erreicht, als aus den Lautsprechern nunmehr die Mitteilung knackte, dass man in wenigen Minuten doch losfahren w\u00fcrde. Alle rammelten ihre Taschen wieder zur\u00fcck. Immerhin werden sie wohl, wie ich, Pl\u00e4tze reserviert gehabt haben, die dann \u2013 wenn man aus welchen Gr\u00fcnden auch immer den Zug wechselt \u2013 nat\u00fcrlich nicht mitwechseln.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6534\" title=\"Zug4\" src=\"http:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug4-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug4-300x225.jpg 300w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug4-150x112.jpg 150w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug4-400x300.jpg 400w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug4.jpg 945w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Wir fuhren dann auch tats\u00e4chlich los, aber die Versp\u00e4tung von 25 Minuten blieb eine Versp\u00e4tung von 25 Minuten. Der Nuschler murmelte vor und nach jedem neuen Halt seine Entschuldigung f\u00fcr die Versp\u00e4tung herunter, erst in Deutsch, dann in Englisch, und gab dann auch die n\u00e4chsten Verbindungsm\u00f6glichkeiten bekannt, allerdings so stockend, z\u00f6gerlich und hustend, dass ich annahm, dass er, w\u00e4hrend er in das Mikro r\u00f6chelte, in einem verstaubten Kursbuch der Deutschen Reichsbahn aus Kaiser Wilhelm-Zeiten bl\u00e4tterte und mit seinem Finger einen antiquierten Fahrplan entlang rutschte, um die richtigen Z\u00fcge und Anschlusszeiten herauszufinden. Ernsthaft: nach der 4. gerotzten Durchsage und Entschuldigung f\u00fcr die Unannehmlichkeit der Versp\u00e4tung nervte der Kerl nur noch. Auch lie\u00df sich die ganze Zeit kein Zugbegleiter, Aushilfsschaffner oder wenigstens ein Schienenzwerg oder so etwas blicken, den man h\u00e4tte fragen k\u00f6nnen, wie es nun oder ob es \u00fcberhaupt nun weiter geht und ich jemals wieder im heimischen Bett liegen werde w\u00fcrde k\u00f6nnen &#8230; . Au\u00dferdem versuchte ich, mein Handy zu \u00fcberzeugen, sich schneller aufzuladen, denn der Versuch, \u00fcber die bahneigene App herauszufinden, wann ich wohl dann von Dortmund weiter fahren k\u00f6nnte und wo der n\u00e4chste Zug Richtung Bremen genau abf\u00e4hrt, kostete zwar Unmengen Akku-Leben; f\u00fchrte aber zu keinem Ergebnis, denn obwohl ich extra &#8222;Handy&#8220; bei dem Sitzplatzreservierungsw\u00fcnschen eingegeben hatte, lie\u00df mich die App nicht &#8211; sie lie\u00df mich nirgends wo hin. Dann war das H\u00f6nd\u00fc tot.<\/p>\n<p>Aber immerhin fuhren wir noch und zwar durch Koblenz und Bingen, immer am Rhein entlang, vorbei an Burgen und gr\u00fcnen Weinh\u00e4ngen, eine traumhaft malerische Landschaft.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-6552\" title=\"Zug5\" src=\"http:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug5-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug5-300x225.jpg 300w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug5-150x112.jpg 150w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug5-400x300.jpg 400w, https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/Zug5.jpg 945w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In Dortmund selbst war dann mein Anschlusszug wie erwartet l\u00e4ngst \u00fcber alle Berge, die Zugbegleiter des versp\u00e4teten K\u00f6lner Zuges wollten sich ebenfalls davonschleichen, aber ich lauerte denen einfach auf dem Bahnsteig auf, schnappte mir eine und bat sie, doch eben zu quittieren, dass es nicht meine Schuld war, dass ich nun leider nicht mehr die gebuchten Z\u00fcge in Anspruch nehmen kann. Ich blieb auch wirklich h\u00f6flich und es war mir gelinde gesagt egal, dass sie irgendwas von &#8222;Ich habe jetzt eigentlich Feierabend&#8220; murmelte. Sie quittierte und ich suchte nach der n\u00e4chsten Heimfahrm\u00f6glichkeit, fand diese auch schlie\u00dflich und beorderte vorsichtshalber Knuffelchen nach Bremen, denn auf den letzten Zug h\u00e4tte ich sonst wieder eine Stunde warten m\u00fcssen und langsam hatte ich Hunger.<\/p>\n<p>Im Zug nach Bremen sa\u00dfen scheinbar \u00fcberwiegend Studenten und\/oder Manager, alle schwer besch\u00e4ftigt und bewaffnet mit Laptops und iPhones. Ich hatte Gl\u00fcck und erwischte noch einen unreservierten Sitzplatz und verbrachte die Zeit lesend im Wilden Westen bei Winnetou und Old Shatterhand. Inzwischen hatten schwere st\u00fcrmische Wolken das Regime am Himmel \u00fcbernommen, je weiter wir nach Norden kamen; es regnete sich ein.<\/p>\n<p>Letztendlich habe ich es ohne weitere Zwischenf\u00e4lle nach Bremen geschafft, dort gabelten mich Knuffel und Moni bereits auf, staubten noch einen Borek ab und zu hause gab es Broccoli.<\/p>\n<p>Und eigentlich habe ich jede Minute der Zugfahrt genossen und w\u00fcrde es wieder tun \u2013 es sei denn, ich m\u00fcsste irgendwo wirklich dringend p\u00fcnktlich erscheinen.<\/p>\n<p>&#8212; Es folgt &#8211; so ich es hinbekomme &#8211; ein knapp 4 Minuten langes Video von vorbeirauschender Landschaft und H\u00e4uschen, wie aus einer Modellbauwelt geklaut:<\/p>\n<p>[youtube]http:\/\/youtu.be\/53qwyBjFcjA[\/youtube]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Kind bin ich viel und auch gern Zug gefahren, kostete ja nichts f\u00fcr uns, da der Vater bei der (damals hie\u00df das noch so) Deutschen Reichsbahn der DDR besch\u00e4ftigt war. 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