{"id":8132,"date":"2013-01-04T07:43:33","date_gmt":"2013-01-04T06:43:33","guid":{"rendered":"http:\/\/sajec.de\/blog\/?p=8132"},"modified":"2013-01-04T08:49:48","modified_gmt":"2013-01-04T07:49:48","slug":"die-leiche-bei-der-tante","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/die-leiche-bei-der-tante\/","title":{"rendered":"Die Leiche bei der Tante"},"content":{"rendered":"<p>Gleich hinter den zwei gro\u00dfen zwei Monitoren war eine Gitterwand. Die ganze Hauswand bestand eigentlich aus Drahtgitter. Ich arbeitete an den Monitoren und konnte durch die Gitterhauswand beobachten, wie ein gigantischer Zwinger auf dem Nachbargrundst\u00fcck errichtet wurde. Mein Chef freute sich schon und rieb sich die H\u00e4nde bei der Aussicht, seinen Hund jeden Tag in den neuen Hundekindergarten zu bringen und dann ihn von seinem Platz aus quasi beobachten zu k\u00f6nnen, wie er Hundeohren flatternd \u00fcber die Wiese rennt. Bis dahin sollte ich aber an den zwei Monitoren noch die Tabelle fertig machen. Doch ich konnte mich nicht konzentrieren.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich stand eine kleine Frau mit langen Haaren neben mir und verlangte im befehlerischen Tonfall, dass ich gef\u00e4lligst mit ihr jetzt mitkommen m\u00fcsse zum shoppen. Ich zuckte die Schultern und trabte mit ihr los. Wir trafen auf eine Gruppe Punks, die auf einem Treppenvorsatz ruml\u00fcmmelten und sich langweilten. Die Vortreppe war im griechischen Stil sehr pomp\u00f6s angelegt. Auf beiden Seiten der Treppe ragten wei\u00dfe S\u00e4ulen in den verregneten Himmel, ein Dach deckte die kleine Terrasse bis zur eigentlichen Eingangst\u00fcr ab. Eine der S\u00e4ulen war wie ein Baumstamm ausgeh\u00f6hlt, um einem Portier Unterschlupf zu gew\u00e4hren, wenn er keine G\u00e4ste zum Eingang begleiten musste. Rechts von dem S\u00e4ulentreppengang befand sich ein Wassergraben, der mit Geb\u00fcsch regelrecht zugewachsen war.<\/p>\n<p>Ich kannte diese Treppe; ich war mir sicher, dass ich hier schon einmal gewesen war. Als Kind hatte ich immer auf der Treppe mit dem Portier gespielt, wenn die Herrschaften des Hauses es nicht sahen. Aber wo war der Portier? Ich blickte mich um, konnte aber niemanden entdecken. Auch die Punks hatten hier noch nie jemanden gesehen. Ich rannte &#8211; Ungutes ahnend &#8211; hinunter zum Graben und fischte wei\u00dfe Kopfh\u00f6rer aus dem Wasser. Die Kopfh\u00f6rer des Portiers! Wenig sp\u00e4ter entdeckte ich auch eine bleiche Leichenhand, die zwischen dem Geb\u00fcsch hervorlugte. Der Fall war klar: Der Portier wurde ermordet.<\/p>\n<p>Die Punk-Gruppe und ich liefen die Treppe hinauf und klingelten Sturm. Schlie\u00dflich wohnte hier meine Tante. Der Obermieter \u00f6ffnete jedoch. Ich lie\u00df ihn nicht zu Wort kommen, sondern st\u00fcrmte an ihm vorbei, um meine Tante zu suchen. Ich rief nach ihr, sie antwortete auch, aber sehen konnte ich sie nicht. Ich schlitterte eilig den langen, gerade gewischten und gebohnerten Flur entlang und schaute in alle Zimmer. Den Punks befahl ich, am Eingang auf mich zu warten, um den gewischten Flur nicht zu vertappsen und damit meine Tante zu ver\u00e4rgern. Aber wo steckte die Tante? Ein M\u00e4dchen sa\u00df am anderen Ende des Flurs an einen Tisch und schimpfte, dass die Tante gar nicht mehr aus dem Badezimmer rausk\u00e4me in letzter Zeit und sie sich deswegen st\u00e4ndig ihr Essen selbst machen m\u00fcsste, was eine Frechheit w\u00e4re. Dabei manschte sie Kartoffeln und Quark mit blo\u00dfen H\u00e4nden zusammen. Mir wurde schlecht bei dem Anblick und auch die Punks sahen bereits ziemlich k\u00e4sewei\u00df aus, obwohl sie brav einige Meter weit weg standen.<\/p>\n<p>Wo war die verflixte Tante? Immerhin hatte ich gerade die Portiersleiche im Grabenwasser gefunden.<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich: Ein Schatten an der Eingangst\u00fcr! Die Punks versteckten sich wie die aufgescheuchten H\u00fchner \u00e4ngstlich und das M\u00e4dchen lie\u00df den Teller mit der Kartoffel-Quark-Pampe fallen. Feiglinge! Dachte ich und schlich zu T\u00fcr, um den Schatten n\u00e4her in Augenschein zu nehmen. Jemand vergriff sich an dem Briefkasten und zerrte die Post heraus! Ich riss die T\u00fcr auf und sah nur noch, wie ein schlacksiger Kerl im schlecht sitzenden Anzug mit der Post zu einem Auto rannte. Aber ich hatte keine Zeit f\u00fcr den Postdieb; es wartete noch immer eine Leiche! Die Tante war noch nicht wieder aufgetaucht. Der Flur war voller Fu\u00dftapsen, die meisten von mir. Bestimmt hatte der Portier auch Fu\u00dfabdr\u00fccke auf dem frisch gewienerten Flur hinterlassen und jetzt war er tot. Ich blickte auf die Uhr; Viertel nach 6. Die Polizei hatte bereits geschlossen. Ich schickte die Punks nach hause; wir w\u00fcrden morgen den Leichenfund melden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gleich hinter den zwei gro\u00dfen zwei Monitoren war eine Gitterwand. Die ganze Hauswand bestand eigentlich aus Drahtgitter. Ich arbeitete an den Monitoren und konnte durch die Gitterhauswand beobachten, wie ein gigantischer Zwinger auf dem Nachbargrundst\u00fcck errichtet wurde. 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