{"id":8364,"date":"2013-01-30T16:07:48","date_gmt":"2013-01-30T15:07:48","guid":{"rendered":"http:\/\/sajec.de\/blog\/?p=8364"},"modified":"2013-01-30T16:37:05","modified_gmt":"2013-01-30T15:37:05","slug":"die-freiheit-unter-den-sternen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/die-freiheit-unter-den-sternen\/","title":{"rendered":"Das Gef\u00fchl von Freiheit unter den Sternen"},"content":{"rendered":"<p>Der Zug ratterte durch die Nacht. Sophie sa\u00df allein in dem Abteil. In ihre Filzdecke geh\u00fcllt, schaute sie in die scheinbar vorbeirasende Dunkelheit. Lichtfetzen blitzen von Zeit zu Zeit auf, erleuchtete Fenster, Stra\u00dfenlaternen, Autos. Ansonsten schlief die Welt. Obwohl Sophie m\u00fcde war, wollte sie die Augen nicht schlie\u00dfen. Sie wollte jeden Augenblick dieser Nacht in sich einsaugen, festhalten, in ihrem Ged\u00e4chtnis archivieren.<\/p>\n<p>Sie fuhr an die Ostsee. Zum ersten Mal ganz allein, und ohne zu wissen, wo ihr Ziel sein w\u00fcrde. Einfach nur an das Meer; jetzt, wo sie 18 Jahre alt geworden ist und somit vor dem Gesetz vollj\u00e4hrig. Niemand konnte es ihr mehr verbieten, ans Meer zu fahren. Sie wollte das Meer sehen. Jenes Meer und seine K\u00fcste, in das sie sich als Kind zum ersten Mal w\u00e4hrend der 6-w\u00f6chigen Kur verliebt hatte.<\/p>\n<p>Sophie wusste nicht, ob sie mit den 100 Mark, die sie sich von ihrem Geburtstag noch aufgespart hatte, reichen w\u00fcrde. Ihr Geburtstag im Januar. Wehmut stieg in ihr auf. Ihr 18. Geburtstag! Wie hatte sie ihm entgegengefiebert! Doch als er dann da war, nahm kaum jemand davon Notiz. Elvira hatte ihr nach dem Mittagessen 100 Mark lieblos zugeschoben und sie dann aus der Wohnung gescheucht, sie wolle jetzt ihre Ruhe haben. Ihr Vater war wie immer fr\u00fch aus dem Haus gegangen und w\u00fcrde erst sp\u00e4t abends m\u00fcde und ersch\u00f6pft von seiner Arbeit nach Hause kommen. Wie immer. Freunde durfte sie keine einladen. Wieder seufzte Sophie.<\/p>\n<p>Aber nun war sie 18; und als sie zu Beginn der Sommerferien dem Vater und Elvira verk\u00fcndete, sie w\u00fcrde ans Meer fahren, konnten sie es nicht mehr verbieten. Und so hatte sie das N\u00f6tigste, von dem sie annahm, dass sie es brauchen w\u00fcrde, in einen Rucksack gestopft und hatte den ersten Zug genommen, der Richtung Ostsee fuhr. Ein wenig aufgeregt war sie schon.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Das Meer empfing sie so, wie sie es sich vorgestellt hatte. Sie lief den menschenleeren Strand entlang, atmete die w\u00fcrzige Luft ein und sang laut gegen den Wind an. Sie h\u00e4tte stundenlang so laufen k\u00f6nnen, abseits der Touristenstr\u00e4nde und den Ferieng\u00e4sten und Urlaubern. Doch langsam setzte die D\u00e4mmerung ein und sie brauchte einen Schlafplatz. Sophie beschloss direkt am Strand zu schlafen. Die Nacht war lau, sie hatte ihre Filzdecke mit &#8230; es w\u00fcrde schon gehen. In einer kleinen abgelegenen Bucht fand sie einen geeigneten Platz. Sie sah auf das Meer, die untergehende Sonne, nippte an ihrem Getr\u00e4nk und a\u00df von dem eingekauften Proviant. Vielleicht w\u00fcrde es nachts doch zu kalt werden. Aber das konnte sie nun nicht mehr \u00e4ndern; es w\u00fcrde schon gehen.<\/p>\n<p>Eine Gestalt kam auf sie zu. Ein Mann mit langen Haaren, mit einem gigantischen Rucksack auf seinem R\u00fccken. Er war jung, und Sophie glaubte, dass auch er noch bis eben gegen den Wind angesungen hatte. Er sah Sophie dort sitzen und wollte schon weiter gehen, als er es sich doch anders \u00fcberlegte. F\u00fcr einen kleinen Moment \u00fcberfiel Sophie Panik. Was, wenn &#8230;? Der Mann kam auf sie zu und Sophie ermahnte sich selbst, ruhig zu bleiben. Der Mann l\u00e4chelte, w\u00fcnschte einen sch\u00f6nen Abend und fragte, ob er sich mit niederlassen d\u00fcrfe. Sophie l\u00e4chelte und nickte. Er stellte seinen Rucksack ab und rieb sich die H\u00e4nde. &#8222;Es wird doch frisch&#8220;, sagte er. &#8222;Ein Feuer w\u00e4re sicher gut.&#8220; Ein Feuer w\u00e4re wirklich keine schlechte Idee, dachte Sophie, der inzwischen doch ziemlich kalt war. Noch immer rauschte das Meer.<\/p>\n<p>Der Mann stellte sich als Alex vor; und gemeinsam beschlossen sie, Feuerholz zu sammeln und eine Feuerstelle zu errichten. Alex baute sein Zelt etwas abseits auf, w\u00e4hrend Sophie in seinem blechernen Kessel Tee kochte. Dann sa\u00dfen sie um das flackernde Feuer, blickten auf das Meer und die Sterne; \u00fcberw\u00e4ltigt und f\u00fcr Momente sprachlos ob deren Pracht und Unendlichkeit. Sie tranken gemeinsam den Tee und erz\u00e4hlten sich gegenseitig die halbe Nacht aus ihrem Leben. Sophie h\u00f6rte staunend Alex zu, genoss seine Stimme und h\u00f6rte zum ersten Mal in ihrem Leben etwas \u00fcber New Age und dass Seelen wie Energie seien &#8211; frei wie die Sterne. Alex&#8216; Einladung jedoch, die Nacht mit ihr in seinem Zelt zu verbringen, lehnte sie ab. Das Feuer und ihre Filzdecke w\u00fcrden ausreichen. Und unter den funkelnden Sternen und mit dem Rauschen und dem Duft der Ostsee schlief sie unbesorgt nah am Feuer liegend ein. Sie f\u00fchlte sich freier denn je.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Zug ratterte durch die Nacht. Sophie sa\u00df allein in dem Abteil. In ihre Filzdecke geh\u00fcllt, schaute sie in die scheinbar vorbeirasende Dunkelheit. Lichtfetzen blitzen von Zeit zu Zeit auf, erleuchtete Fenster, Stra\u00dfenlaternen, Autos. Ansonsten schlief die Welt. Obwohl Sophie &hellip; <a href=\"https:\/\/sajec.de\/blog\/die-freiheit-unter-den-sternen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-8364","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-scherbenglanz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8364","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8364"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8364\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8378,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8364\/revisions\/8378"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8364"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8364"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sajec.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8364"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}