{"id":9969,"date":"2014-01-05T11:59:39","date_gmt":"2014-01-05T10:59:39","guid":{"rendered":"http:\/\/sajec.de\/blog\/?p=9969"},"modified":"2014-01-05T11:59:39","modified_gmt":"2014-01-05T10:59:39","slug":"schwarzer-schnee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sajec.de\/blog\/schwarzer-schnee\/","title":{"rendered":"Schwarzer Schnee"},"content":{"rendered":"<p>Die Menschenmenge stand mit lodernden Fackeln bewaffnet auf dem nass schimmernden Kopfsteinpflaster vor dem m\u00e4chtigen alten Kirchenbau. Schweigend warteten sie. Unruhig zitternde Schatten tanzten auf den Gem\u00e4uern. Die Stimmung war unheilvoll, gef\u00fcllt mit Erwartungen und Angst, nahm sie Besitz von den Anwesenden, paralysierte sie, zwang sie, auszuharren. Schwarzer Schnee rieselte herab, langsam und glitzernd, in gro\u00dfen Flocken, wie ein unheilvolles Omen bevorstehender Ereignisse.<\/p>\n<p>Nach einiger Zeit \u00f6ffneten sich unglaublich lautlos die schweren eisernen Fl\u00fcgelt\u00fcren der Kirche. Einen Raunen wogte durch die Menge, als hintereinander 13 sch\u00f6ne Frauen in pr\u00e4chtigen Brautkleidern die Stufen hinab stiegen, w\u00fcrdevoll und majest\u00e4tisch. Jedes der 13 Kleider war anders gestaltet; doch alle waren sie schwarz und mit glitzernden Perlen bestickt. Die weit ausschweifenden\u00a0S\u00e4ume der Kleider wischten \u00fcber die Steinstufen. Still weinend schritten die Br\u00e4ute langsam die Stufen hinab. Die schwarzen Schneeflocken schienen noch mehr zu funkeln und umh\u00fcllten die Frauen wie ein Schleier. Die Menschenmenge vor ihnen spaltete sich, gab eine Gasse frei, und die 13 weinenden Br\u00e4ute verschwanden \u00a0in der Dunkelheit. Ein dumpfer Glockenschlag hallte durch die Gassen. Die Menschen fr\u00f6stelten. Die Fackeln erloschen. Es hatte begonnen.<\/p>\n<p>&#8212;-<\/p>\n<p>Getrieben hetzten 7 Menschen die schmale gewundene Steintreppe nach oben auf den Glockenturm. Zumindest vermuteten sie, dass die Stufen zu dem Glockenturm f\u00fchrten, genau wussten sie es nicht. Die Wendeltreppe schien st\u00e4ndig ihre Dimension zu \u00e4ndern, so dass sich bald niemand mehr sicher sein konnte, in welche Richtung er sich bewegte, ob nach oben oder gar nach unten. Die Menschen liefen weiter, hintereinander, schweigend, getrieben; weil es das einzige war, was sie tun konnten. Hoffend, dass sie bald ein Ziel erreichen w\u00fcrden, wo immer es auch war. Ihre Fingerspitzen glitten \u00fcber den Putz des alten Gem\u00e4uers. Das Mauerwerk wurde por\u00f6s, bildete immer filigranere Stuckverzierungen, durch die das Mondlicht schimmerte und sich in grotesken aber wundervollen Schattenmustern niederlegte. Endlich hatte die Gruppe eine Plattform erreicht. Der Glockenturmaufgang lag hinter, ein von Mondlicht beschienener See glitzerte unter ihnen. Atemlos blickten die Menschen herunter. \u00dcberraschtes Staunen dar\u00fcber, es geschafft zu haben, lag in ihren Augen. Doch es blieb keine Zeit um zu verschnaufen. Der See unter ihnen verlor seine Ruhe, b\u00e4umte sich auf, wurde wild. Sturmb\u00f6en peitschten gigantische Wellen an den Glockenturm, der pl\u00f6tzlich in der Mitte des Sees stand und sich wie ein Leuchtturm den Gewalten entgegenstemmte. Wolken rasten durch den Himmel und verdunkelten den Mond. Der Glockenturmes zerbr\u00f6ckelte unaufhaltsam, St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck. Die enge Wendeltreppe des Glockenturmes zerfiel Stufe f\u00fcr Stufe. Die 7 Menschen klammerten sich an das verbleibende Gel\u00e4nder der Plattform und blickten ver\u00e4ngstigt auf das tobende Chaos unter ihnen.\u00a0Schwarzer Schnee rieselte unwirklich sanft herab. 7 Riesenadler flogen heran, umkreisten die Plattform mit den Menschen. Sie ergriffen jeweils einen Menschen und trugen ihn fort.\u00a0Einen Glockenschlag sp\u00e4ter zerbarst die Nacht mit dem Mond, dem Schnee und dem tobenden See.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Menschenmenge stand mit lodernden Fackeln bewaffnet auf dem nass schimmernden Kopfsteinpflaster vor dem m\u00e4chtigen alten Kirchenbau. Schweigend warteten sie. Unruhig zitternde Schatten tanzten auf den Gem\u00e4uern. 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