Die Tage schreiten voran, Woche um Woche vergeht, es passiert nicht viel, jedenfalls nichts weltbewegendes. Aufstehen – Büro – Heimfahren – Abendbrot – und manchmal ist Jakob da und versüßt den Abend. Die Kinder haben ein Haus gekauft, ganz in der Nähe, und im August ziehen sie um und dann hier natürlich aus. Sie ziehen nur ein paar Straßen weiter, also alles andere als aus der Welt; und trotzdem fühlt es sich schon jetzt ein bisschen so an, als wäre ich dann ganz alleine. Nicht mal eben fix runter kommen, einfach so, weil einem gerade danach ist. Wir werden Jakob nicht mehr hören, wenn er nachts aufwacht und Milch verlangt oder rumquakt, weil er es gar nicht mag, wenn er beim Windelwechsel still liegen soll. Still liegen/sitzen ist sowieso gerade eher unmöglich, der kleine Mann krabbelt mit Begeisterung und am liebsten um die Wette, zieht sich nun mit seinen 9 Monaten auch an allem hoch, was er irgendwie zu fassen bekommt und er hat das süßeste und ansteckendste Lachen der Welt.
Und dann ist er eben ein paar Straßen weiter in ein paar Wochen. Wie gesagt, nicht aus der Welt, aber eben auch nicht mehr unter dem selben Dach.
Für die Kinder ist es natürlich ideal, ihren eigenen Platz, viel mehr Platz, einen Garten und alles zentral gelegen und eben nicht aus der Welt. Für mich fühlt es sich eben so an, als wenn meine eigene Welt noch ein bisschen stiller werden wird.

Das Foto oben ist heute entstanden, auf der kleinen Fahrradtour, weil das Wetter einfach herrlich war, nicht zu heiß, warm, trocken, und mit Wind. Das ist der Deich in Tettens, und diese Ansammlung hinten eher links waren eine Gruppe von Menschen, die schnurstracks über den Deich dorthin liefen. Ich saß einen Deichaufgang weiter und fragte mich, was die da wohl machen. Ob es eine Trauergemeinschaft war, die die Asche eines Menschen der Nordsee übergaben? Oder vielleicht eine geführte Naturwatt-Wanderung? Konnte man da überhaupt langlaufen? Ich war da noch nie, aber natürlich würde ich jetzt dort nicht hingehen, wenn da gerade so ein Auflauf herrscht; aber vielleicht beim nächsten Mal. Und was würde ich machen, wenn nun vor meinen Augen genau dort ein Ufo landen würde und die Gruppe von Leuten sich schlicht wegbeamten? Oder die wollten nach Langlütjen II, gleich würden vielleicht Boote anlegen.
Ich bin dann weiter gefahren, durch Tettens, Richtung Abbehausen und durch den Friedeburgpark nach Hause, zu Cappuccino und einem neuen Drama-Short Video, diesmal eine Love Story zwischen einem Vampir (der Brian hieß), einem Werwolf (Lucien) und einem Menschen (Yuri) … und am Ende rettete Yuri alle und im Happy End poppten sie sich zu dritt in den Sonnenuntergang … und ich lag in meinem Bett, der Cappuccino war alle und ich heulte vor Glück, und vor Trauer und ein bisschen auch weil ich müde war und wieder einsam (obwohl ich ja nie wirklich irgendwo allein bin). Und das ist eben auch das Gefühl, das seltsame … dieses Gefühl von Einsamkeit, und gleichzeitig zu wissen, dass mir andere Leute auch total auf den Keks gehen würden, wären sie jetzt auch nur in der Nähe. Und wenn ich zu irgendeinem Event MUSS, weil es erwartet wird, dann kann ich meine innere Uhr danach stellen, dass ich nach kleinen Ausreden suche, um nicht hingehen zu müssen. Komisch, oder? Wenn man sich nach etwas sehnt, das man aber gleichzeitig innerlich ablehnt. Ach ich weiß auch nicht. Es ist eben … komisch. Und ja, auch ein bisschen Seelenloch-mäßig erklärbar, jedenfalls für mich.
