11.10.2026

Himmel kann die Wahlheimat, und Farben, wenn sie mag, auch. Gestern war ich nur kurz mit dem BLACKY unterwegs, denn ich stand vor der Wahl, noch mehr in dunklen Gedanken zu versinken oder das nächste KI Short Video als Flucht in ein anderes Universum zu beginnen. In eine Welt, wo man liebt, oder sich zumindest die für einander bestimmten jungen Männer trotz aller Widrigkeiten und Missverständnisse finden. Das lenkt davon ab, dass ich mich selbst in letzter Zeit sehr alleine fühle. Selbst, wenn ich das nie wirklich bin. So lange, wie ich etwas zu tun finde, ist alles in Ordnung. Aber wehe, die Gedanken können abschweifen und erforschen, was ich von diesem Leben noch erwarten kann, mit 55 Jahren und mit einem Körper, der sich immer mehr gegen mich stellt. Bewegungen klappen einfach nicht mehr so, wie ich es gewohnt bin. Die schmerzenden fetten Beine, die bald in keine Jeans mehr passen werden. Die grauen dünnen Haare, meistens zu einem dünnen geflochtenen Rattenzopf gebunden; und immer sind es ein paar dünne Stränchen, die mir ins Gesicht fallen und mich wahnsinnig machen. Schweißausbrüche, selbst wenn ich nur Staub wische. Mein Körper mobbt mich, wo er kann, selbst im Liegen. Alles ist schwerfällig und langsam. Und ich bin selbst Schuld. Ich habe sämtliche Disziplin, die vielleicht vor 14 Monaten noch vorhanden war, weggeworfen und dem „Was solls?!“-Gedanken überlassen. Was solls auch? Es interessiert niemanden. Meine Brüder, meine Eltern … sie alle sind längst gegangen, und der Gedanke, selbst bald für immer diese dumme Welt zu verlassen, schreckt mich nicht mehr. Es bliebe nur ein Bedauern, dass ich Jakob nicht zusehen kann, wie er wächst und lernt und zu einem guten Menschen gedeiht. Mein Vater starb, als Moni selbst erst etwas über 2 Jahre alt war; es ist also, wenn man diese Berechnung auf mich überträgt, nicht mehr lange hin, bis ich meinen letzten Sommer erleben werde. Ja, so trübe Gedanken plagen mich.
Zu erleben, wie die Tante meiner Kollegin mit 86 Jahren quasi auf ihr Ende wartet, lange Zeit alleine zu Hause, dann im Pflegeheim, im Krankenhaus, zurück ins Pflegeheim und nun soll sie schließlich in ein Hospiz. Und sie weiß, dass das Unvermeidliche bevorsteht, sie wünscht es sich sogar wohl herbei, weil ihr Körper längst zu schwach ist, sich noch einmal aufzubäumen. Ihr bleibt nur das Warten und das Hoffen, dass sie irgendwann einschläft und nicht mehr aufwacht.

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