Langsam nehme ich das persönlich!

Alles scheint mir die Tage zu misslingen. Von dem kaputten Geschirr und der defekten Katzenlampe, der falsche Paketdienst, heute startete der Geschirrspüler erst, nachdem wir schon online nach einem neuen geschaut hatten und nachdem ich dann im Netz recherchierte, wie man einen Restart überhaupt anstellt an dem alten Ding. Jetzt läuft er, als wäre nichts gewesen, wir schauen aber trotzdem nach neuen, denn der zickt ja schon eine ganze Weile herum und kommandiert uns seinen Willen auf. Entweder, man wartet minutenlang, ohne dass er anfängt, das Geschirr zu waschen; und gerade, wenn man sich mit diesem Zustand angefreundet hat und eben in der Zeit die Betten machen will oder die Blumen gießen will, dann verlangt er SOFORT, dass man JETZT SOFORT die Klappe schließt. Also lässt man alles stehen und liegen und sprintet in die Küche, um die Gnade des Geschirrspülens nicht zu verspielen.

Wie gesagt: Momentan scheint mir alles zu misslingen. Man beachte die Verwendung des Wörtchens „scheint“, denn rational weiß betrachtet weiß ich natürlich, dass das maßlos übertrieben ist. Aber es fühlt sich eben so an; wie gestern, als ich glaubte, zwei neue Stories für das KINDLE gefunden zu haben, die sich dann doch als unvollständig entpuppten.

Heute soll mein zum Geburtstag geschenktes Zitronenbäumchen ankommen, und ehrlich gesagt habe ich das Gefühl, dass auch das nicht gut ausgehen wird. Vermutlich ist es auf dem Weg zu mir erfroren und wird, sobald ich es auspacken werde (wenn es dann pünktlich mit DPD geliefert werden wird) vor meinen Augen langsam aber augenscheinlich sterben, Tag für Tag ein bisschen mehr. Vielleicht sollte ich mir einfach nur noch Plastikpflanzen in die Wohnung stellen, die muss ich nur abstauben ab und an.

Offenbar bin ich nicht die Einzige, die gerade vom Missgeschicken und Fehlplanungen bedrängt scheint: Im Treppenhaus kehrt jemand Scherben zusammen; immerhin weint er/sie dabei nicht, jedenfalls nicht äußerlich. Mir geht es aber derzeit oft so, dass mich Kleinigkeiten aus der Fassung bringen und an allem zweifeln lassen; Tränen schießen mir in die Augen und alles ist sinnlos und hoffnungslos! Liegt es am Monat? Der Januar ist mein Geburtsmonat, und eigentlich mochte ich den immer. Im Januar 2023 ist aber auch mein Bruder Torsten verstorben, und das ist immer noch unfassbar! Ich mag die Stadt nicht, in der er 20 Jahre verbrachte und starb; und ich mag den Monat nicht mehr so sehr, gerade weil es eben nicht mehr nur der Monat ist, in dem ich Geburtstagsgeschenke bekam … oder eben auch nicht. Die Leichtigkeit und Unbeschwertheit ist weg, das „mal eben telefonieren können“, oder die WhatsApp schreiben, wenn mich gerade was aufregt, oder wenn er sich Luft machen wollte über Sachen, die bei ihm quer liefen.

Gerade bekomme ich die Nachricht, dass meine Lieferung an meinem wunsch-Ort hinterlegt wurde. Ich habe einen Wunschort? Ach was, den würde ich auch gerne mal kennen! Geklingelt hat natürlich niemand, und obwohl erkennbar ist, dass es sich um eine Pflanzenlieferung handelt (es steht ja auch drauf), wurde das Zitronenbäumchen in einem Pappkarton draußen vor die Hauseingangstür gestellt. Bei Minusgraden wird das bestimmt enorm gut sein für das Pflänzchen, abgesehen davon, dass es jeder wegtragen könnte.
Auseinandergepflückt sieht es auch ein bisschen mitgenommen aus. Nun, ich werde sehen, ob es sich doch von den Strapazen der Reise erholt und hier heimisch werden kann.

An dieser Stelle sollte jetzt ein Bild vom kleinen Zitronenbäumchen stehen, aber … siehe Überschrift: Natürlich kann ich das Bild, egal in welcher Größe und von welchem Upload-Ordner, hochladen. Der Upload-Server ist nicht erreichbar. Natürlich nicht! Etwas, das jahrelang funktionierte, geht nun natürlich nicht mehr. Wieso wundere ich mich eigentlich noch? Oder rege mich auf? Ich sollte einfach alles in die Tonne kloppen!

Das war gerade ein Akt, gepaart mit einem Hauch Verzweiflung und Frustration und auch mit Vorwürfen verziert, ich hätte irgendwas verstellt, nicht richtig angelegt oder vergessen, wie ich das vor 20 Jahren mal gemacht habe. Aber irgendwie haben wir es jetzt hinbekommen. Wenn ich nicht schon graue Haare hätte, würde ich nun welche haben. Vermutlich. Aber hier ist das Zitronenbäumchen. Ich weiß gar nicht, wofür ich das überhaupt noch alles auf mich nehme! Ach ja, weil ich mich hier auskotzen, aber auch die schönen Momente aufschreiben kann, die es auch gibt. Ja, doch, die gibt es auch. Und eines Tages (vielleicht) lesen M. und Jakob oder auch meine Urenkel, was ich hier so niedergeschrieben habe; oder vielleicht auch nicht. Wer weiß das schon? Wenn meine eigene Mutter einen Blog hinterlassen hätte … ja, ich wäre dafür dankbar gewesen.

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