Dies und das nach einer Woche Urlaub

Nein wir waren nicht weg, auch nicht kurz mal irgendwohin, außer zur Deponie. Trotzdem ist noch Pappe in der Garage und der Mazda bei den Rotjacken. Er hat noch einmal TüV bekommen, Montag darf ich ihn freikaufen. Wir waren nicht in Bremerhaven bei der kleinen Sail; aber immerhin habe ich gestern die Balkontür geputzt. Letzte Nacht konnte ich nicht schlafen, weil irgendwo in der Nachbarschaft bis weit nach Mitternacht 10-jährige krakelten. Also habe ich gelesen und geheult; immer im Wechsel. War auch nicht schön. Zurzeit gucke ich PASTEWKA erneut durch, das ist so schön komisch und fremdschämen. Aber wenigstens ist da was los, es passiert immer was. Und selbst wenn nichts passiert, ist es fabelhaft in Szene gesetzt, wie im Movie. Mein Leben ist kein Movie, es hat derzeit keinen Plot. Es ist schlicht und ehrlich nur langweilig. Ich überlege sogar schon, dass ich doch nächste Woche einen Abstecher ins Büro machen könnte, genug zu arbeiten wäre jedenfalls da. Es ist aber auch noch genug KINDLE da und zahlreiche Hörbücher / Hörspiele; allerdings bei den meisten schlafe ich dann entweder doch ein und fange am nächsten Abend wieder bei dem gleichen Kapitel an; oder ich sehne mich nach Brian & Justin, die lese ich ja immer noch am liebsten; und genau das werde ich nun auch an diesem Sonntagnachmittag tun, bevor ich das Lachssandwich zum Abendbrot bastel, gänzlich ohne Musik und Filmschnitte, sondern allein ich im Schlabber-T-shirt in der Küche. Vielleicht läuft nebenbei das kleine Küchenradio und ohne Bassbox. Ganz normal eben, völlig unspektakulär, unberichtenswert. Frage mich sowieso, wem das hier alles interessiert. Vermutlich niemanden. Was soll’s. Ich erhebe ja keinen Anspruch auf Beachtung, also darf ich mich auch nicht beschweren, wenn es eben keiner beachtet. Bin ja schließlich kein Pastewka. Die Bilder stammen übrigens aus Kreta (da waren wir 2018), und sind kaum nachbearbeitet.

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Ein Sonntagabend ohne Tatort

kann auch so aussehen:

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Fast schien es, als würde es dieses Jahr gar nicht mehr passieren; und wenn ich die Aktenberge betrachte, die noch immer zum Tippen warten, hatte ich auch ein nicht so gutes Gefühl, jetzt meinen zweiwöchigen Jahresurlaub anzutreten. Und doch: ich brauche die Auszeit, für mich selbst und für Mazda, der zum TüV muss. Aber eben auch für mich, denn die Woche im Januar war bekanntlich kein „Urlaub“, sondern tränenbesticktes erstes Ordnen von Torstens Wohnung …

Aber nun habe ich ganze 2 Wochen frei; und nichts weiter vor.

Ich würde gern Großschönau, die alte Heimat, wieder besuchen, aber ich fürchte, das würde zu emotional sein in dem Wissen, dass Torsten gern mitgekommen wäre. Wir hatten schon so lange vor, das zu tun, gemeinsam in die alte Heimat zu fahren für ein paar Tage. Das obere Bild zeigt die Pappelallee am rechten Rand, mit Blick auf den Hochwald (der Berghügel direkt in der Mitte).

Und hier der Blick vom Hutberg, im rechten hinteren Bildrand der Finkenhügel. Ich vermisse die Heimat. Die Bilder sind 2013 entstanden, also vor 10 Jahren. Das ist keine ausreichende Taktfrequenz für Heimatbesuche.

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Ausblicke

An der Stelle könnte ich schon wieder jammern, wie schnell die Tage, Wochen und Monate vergehen.

Ich meine, ist euch bewusst, dass wir mehr als die Hälfte von 2023 bereits hinter uns gebracht haben? Das ist doch erschreckend!

Als nächstes folgt mein Sommerurlaub (und Urlaubszeit verfliegt ja sowieso doppelt so schnell, als normale Wochen), dann ist Sommerfest in meiner Wahlheimatstadt, dann Markt in Stadland, und danach stellt man bereits fast die ersten Weihnachtsbäume auf und organsiert das Fest.
Und dann ist das Jahr um, und alles ist irgendwie gleich, und doch ein wenig anders.

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For ever

… zumindest nah, sowieso im Herz, nun auch nah getragen …

Was noch?

Büro
Letzte Woche allein mit den Akten, dem Chef und der Chef-Frau im Büro. Urlaubszeit. Es ist nicht zu schaffen, deswegen habe ich mir dann doch fürs Wochenende 6 Diktate mit nach Hauses genommen und gestern Abend weggetippt. War okay, ging auch recht gut. Trotzdem freue ich mich, wenn dann ab kommenden Wochenende mein Urlaub beginnt.

Bevorstehender Urlaub
Haben wir was vor im Urlaub? Nö, eigentlich nicht. Na gut, Garage aufräumen, ein neues Sofa kommt hoffentlich, der Mazda muss zum TüV … so was halt. Vielleicht auch zwischendrin mal ein paar Ausflüge ans Meer, oder nach Bremen, wir werden sehen, wonach uns ist.

Abnehmen
Die ersten 1,5 kg sind runter, und ich merke, dass es mir bereits jetzt gut tut. Fühle mich energetischer, beweglicher (man sollte es kaum glauben!). Vielleicht ist es auch nur Einbildung, aber egal, es wirkt.

Lesen
Es gibt keine neuen Geschichten, jedenfalls sind noch keine neuen fertig. Also lese ich queer die alten, und ich meine quer durchs Kindle … so entstehen interessante neue Stories.

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Die ersten 500

Manchmal muss man eben einfach den ersten Schritt machen und sich trauen. Zum Beispiel wieder auf die Waage steigen, obwohl der letzte Freitag mich sehr runtergezogen hatte. Ein halbes Kilo weniger, immerhin … ein zarter Anfang.
Oder man muss einfach den Brief öffnen, von dem man annimmt, dass er weitere Schwierigkeiten in Bezug auf Torstens Nachlass bringen wird; wie sich dann aber herausstellte, war es gar nicht so schlimm. Für den nicht zurückgegebenen Parkhaus-Schlüssel (keine Ahnung, bei welcher Diakonie in FaM der nun abgeblieben ist) berechnen sie 25 € – ich hatte mit so ziemlich 3 Nullen mehr und einem Haufen Ärger gerechnet. Die ganze Woche hatte ich etwas Angst vor dem Brief, dessen Ankunft mir mit der Web-de-App schon angekündigt wurde, auf den ich aber dann doch noch ganze 6 Tage warten musste, bis er auch tatsächlich in unserem Briefkasten landete.

Am 26. Juli hätte Stefan seinen 63. Geburtstag gehabt. Das war ein komisches Gefühl, eine Leere, die ich vorher an dem Tag nicht kannte. Dabei fiel mir ein, dass ich meinem Bruder eigentlich nie zum Geburtstag gratulieren konnte … schlicht aus dem Grund, weil ich ihn nicht kannte und er dann ja auch irgendwann „verschollen“ war. Am 26.7.2023 wurde Mick Jagger 80 rockige Jahre, und Sinéad O’Connor (Nothing Compares To you) ist gestorben. Das leben geht weiter, Knuffel schaut dem Unterhemd tragenden Bruce Willis zu, der mal wieder Langsam Stirbt; und ich gehe an einem Samstagabend vor 22 Uhr ins Bett, weil das KINDLE ruft.

Nächste Woche bin ich mit Chef + Chef-Frau (an 3 Tagen) alleine im Büro; die liebe Frau H. hat 1 Woche Urlaub. Es sei ihr von Herzen gegönnt; und ich werde lernen, dass man als Alleinkämpferin eben nicht alles ausgleichen kann, was eigentlich nicht mal zwei schaffen. Ich muss mir das nur immer wieder bewusst machen.

Dann spiele ich mit Begeisterung mit Luminar Neo herum. Schließlich muss ich das Programm kennenlernen, und ich entdecke mehr und mehr. Das Bild oben ist das bearbeitete Strandbild aus Texel aus dem Urlaub 2019.

Hier das unbearbeitete Original:

Und hier noch eine etwas andere Bearbeitung, ohne den Himmel zu ersetzen:

Schon krass, was man heute alles anstellen kann …

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Zahlen, Punkte und Stimmungen

  • 80 Wochen
  • Erschreckende 133,7 kg
  • Zero-Points
  • 5 aus 50 und 2 aus 12
  • noch 3 Wochen bis zum Urlaub

Freitag stand ich das erste Mal seit mindestens 80 Wochen mal wieder auf einer Waage, und war entsetzt. So schwer war ich noch nie! Ein negativer Rekord. Kein Wunder, dass ich nichts mehr auf die Reihe bekomme und jeder Schritt nach wenigen Metern zur Qual wird. Ich hatte mit viel gerechnet, aber diese Zahl hat mich dann doch erschreckt – und den freien Freitag ziemlich gedämpft. Am liebsten wäre ich zurück ins Bett und hätte einfach nur in mein Kissen geheult, dabei kann ich nur einer Person die Schuld geben: Mir selbst! Aber ich hatte ein Einkaufs-Date; also biss ich die Zähne zusammen und ging mir M. dann einkaufen. Das Ergebnis: Mehr Obst und Gemüse, wenig Wurst und Fleisch, kaum Brot! Denn es muss sich etwas ändern. Nach dem Einkauf war ich alle und schlich dann doch ins Bett zurück, wo ich mich heimlich in einen komaartigen Schlaf weinte. Aber von Heulen alleine wird nichts besser. Also her mit der Herausforderung! Her mit den Zero-Points.

Den Gemüsekorbständer habe ich mühsam selbst zusammengebaut. Fragt nicht! Ich hatte Teile übrig, von denen ich einfach trotz Aufbauanleitung nicht wusste, wo die hingehören oder wozu die gut sein sollten. Ständig rutschte mir die Brille von der Nase bei dem Versuch, die Körbe mit- und ineinander wie vorgeschrieben zu verhaken. Mir lief die Nase, mir kamen die Tränen, ich war alleine damit, denn schließlich habe ich dieses unnütze Ding gekauft, also sollte ich nun auch zusehen, wie ich es aufgebaut bekomme. Wenn man gar nicht weiter kommt und die Brille zum 4. Mal auf dem Küchefußboden landet, dann soll man alles hinschmeißen und erst mal was anderes machen: Good Doctor Staffelfinale z.B. schauen … und dabei noch mehr heulen. Mensch ey, zurzeit bin ich total heulanfällig, bei jeder Kleinigkeit breche ich in Tränen aus.

Was WW betrifft, mache ich kein Geheimnis aus meinen Absichten, und ich werde mehr oder weniger unterstützt. Vor allem im Büro, was ich großartig finde. Meine liebe Frau H. findet das gut und sie führt mich nicht noch weiter in Versuchung, sondern zieht ein bisschen mit.
Wir haben im Büro nun auch eine Tippgemeinschaft beim Euro-Jackpot; und jeder träumt ein bisschen davon, wie es dann sein könnte, wenn man erst mal 20 Mio. auf dem Konto hat. Geld macht nicht glücklich! mag man Kalendersprüche-artig einwerfen, aber es schadet auch nicht, wenn man sich darum keine Gedanken machen muss. Immerhin war der Obst- und Gemüse-lastige Wocheneinkauf nicht ganz so teuer, wie befürchtet; aber wer weiß in diesen Tagen schon, was noch alles auf uns zukommen wird.
Dass ich mental nicht gerade hell drauf bin, auch wenn ich mich zuversichtlich nach außen gebe, merke ich vor allem daran, welche QAF-stories ich gerade (mal wieder) lese: Justin hat Krebs, Brian kümmert sich um ihn; ich lese und heule und wünschte, ich könnte die Universen einfach so tauschen und auch so eine Liebe erfahren.
Auch, wenn wir dieses Jahr auf Sparkurs setzen und den Sommerurlaub im kühlen Waldwohnzimmer verbringen werden: ich freue mich auf die freien Tage. Und vielleicht hat ja das Jahr 2024 dann wieder diese Art Urlaub im Gepäck, mit ein paar Kilo weniger hoffentlich:

Kreta, 2018

Kreta, 2018. Da hatten wir auch 40 °C, und ich war mit Krücken unterwegs. Doch bin ich mir sicher, dass ich das mit den derzeitigen Kilo und Gemütszustand nicht mehr wuppen würde. Bevor es also irgendwo überhaupt hingehen kann irgendwann in naher oder nicht ganz so naher Zukunft, müssen einige Kilos purzeln.
Immerhin ist dieser Sommer hier im Norden bisher eher gnädig mit uns. Die paar Hitzetage, die wir abbekommen haben bisher, waren im Erdgeschoss-Waldwohnzimmer relativ gut auszuhalten, mit Ventilator ging es sogar ganz gut und mittlerweile brauche ich nachts wieder meine leichte Sommerdecke, wenn es dann doch zu frisch ins Schlafzimmer weht. Auch ein paar kleinere Gewitter kamen schon vorbei, und ich feierte jedes einzelne als kleinen persönlichen Glücksmoment.

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Es muss sich was ändern – mal wieder

Heute morgen im Bett, es war noch zu zeitig, um den Sonntag zu beginnen, browste ich durch das Netz. Es wurden mir Sofas angepriesen, Wein und Sport-BHs in Übergröße. Das Netz kennt mich wohl; oder auch nicht. Und dann war da das Angebot von WW, für ein Jahr lang nur 10 € statt 25 € zu zahlen. WW hat ja mal funktioniert, wenn ich dran geblieben wäre. Momentan stopfe ich aber wieder in mich hinein, wahllos, und meistens zu viel. Ganz schlimm. Ich mag mich selbst nicht. Und selbst Chef macht ständig Andeutungen, dass ich mal wieder etwas tun sollte. Also hielt ich diese eine Werbung für den Wink des Schicksals namens Internet und abonnierte (erneut) WW. Dann kaufte ich eine Waage; und dann gab es Frühstück. Es geht also wieder los, das Einscannen, Tracken und Points einhalten.

Ich träume bereits davon, dass ich dann wieder mobiler unterwegs sein kann und nicht an der nächsten Bank zusammensacke. Dann gibt’s auch keine bearbeiteten Retorten-Bilder, wie jenes oben, in Hawaii geknippst und dramatisch aufbearbeitet. Oder das hier:

Der Sonntag neigt sich auch schon wieder seinem Ende entgegen, damit auch das Wochenende; und ich habe nicht mal mehr den Tatort und Twitter, um mit dem üblichen Montagsbashing schon jetzt anzufangen. Es gibt momentan auch Flaute bei der Story-Dealer-Seiten, nicht, dass ich nicht genug gute auf dem KINDLE hätte. Ein paar vielversprechende sind auch wieder im Entstehen und ich muss mich in Geduld üben.

Was ganz anderes: Die Trauer tut weniger weh; aber das gefühlte Alleinsein nimmt zu. Jeden Abend, wenn ich aus dem Büro nach Hause fahre, denke ich an meine beiden Brüder, sie fehlen mir. Das ist komisch, denn als sie noch am Leben waren, hatte ich ja auch kaum Kontakt, und trotzdem fehlten sie nicht. Bei Torsten wusste ich aber, dass er diesen Blog liest und wir haben regelmäßig telefoniert. Und so manches Mal, wenn ich auf FB mal wieder Bilder und Nachrichten aus der alten Heimat entdeckte, dachte ich, dass das Torsten interessieren würde und ich es ihm schicken sollte. Der Gedanke kommt mir auch jetzt noch oft, bis mir dann sofort einfällt, dass das ja nicht mehr geht, dass ich ihm nie mehr per WhatsApp entsprechende Screenshots senden kann und wir Pläne machen können, wann wir gemeinsam die alte Heimat besuchen werden. Bei Stefan ist es noch ein bisschen anders, denn ich weiß kaum etwas von seinem Leben in den letzten Jahrzehnten. Da sind noch so viele Fragen, die nun nicht beantwortet werden können.
Und so ist es ein großes, dunkles Gefühl des Alleinsein, das bleibt; und ein Hauch Hoffnung, dass man sich vielleicht wiedersieht, wenn auch meine Zeit gekommen sein wird. Dann wird zeit keine Rolle mehr spielen. Noch spielt es aber eine Rolle; und ergo habe ich mich endlich wieder bei WW angemeldet und will meinen Part dazu beitragen, dass ich nicht zu schnell von diesem Planeten verschwinde, mehr oder weniger unfreiwillig. Mama, Papa, Torsten und Stefan werden also hoffentlich noch ein bisschen auf mich warten müssen.

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Hallo, Sommer

Es gibt nicht viel Neues zu berichten. Es ist Sommer geworden, und wenigstens ein paar kurze Gewitter zogen bereits bei uns durch. Die neue Wohnung – ab wann ist sie eigentlich nicht mehr neu? – ist angenehm kühl, jedenfalls viel kühler, als die alte Dachgeschosswohnung. Ich hege meine Pflanzen und Robbi huscht wischend und saugend durch die Wohnung. Da fällt mir ein: die Wäsche will noch aufgehangen werden; das warme Sommerwetter kann man ja nutzen und den Trockner auslassen und Energie sparen.

In einem Anflug von „Ach. was Soll’s“ habe ich eine neue Fotobearbeitungs-App gekauft. Mit der kann man allerhand machen, ich probiere gerade aus, siehe oben. Und mal wieder nehme ich mir vor, aktiver zu werden, mehr (oder überhaupt) raus zu gehen, die Canon mehr / überhaupt auszuführen; und natürlich gesunder leben, weniger arbeiten, weniger nachdenken …. bla bla bla. Man kennt das ja schon. Doch wenn ich ganz ehrlich in mich hineinhorche: Lethargie. Mein Kindle reicht mir.

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Da ging der Mai plötzlich auch vorbei

Es ist aber nicht viel passiert, nichts gravierendes jedenfalls. Rechnungen finden ihren Weg zu mir, nur die Erbscheine nicht.

Am Montag fliegen wir also nach München, um auch meinen älteren Bruder beizusetzen. Ich habe ein wenig Angst vor dem Termin, weil ich nicht mehr genau weiß, was ich fühlen soll. Ich kannte ihn ja gar nicht, hätte aber so gern noch die Gelegenheit gehabt, ihn zu treffen.

Derzeit lese ich viel, sehr viel. Je trauriger, umso besser für mich; denn dann haben meine Tränen eine Berechtigung.

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Mai-Update

Eigentlich liebe ich den Mai; eigentlich, aber momentan bin ich dunkel. Kein Wunder. Es vergeht auch kein Tag, an dem ich nicht an meine beiden Brüder denke – und mir die Tränen kommen. Und jede Woche flattert eine neue Rechnung gefühlt herein, ohne dass ich mit dem einem oder dem anderen Erbschein wirklich weiter komme.

Die Wohnung von Torsten wurde vor ein paar Tagen endabgenommen. Die Diakonie hatte freigeräumt, auch den Dachboden geleert (von dem wir gar nicht wussten, dass es den auch gibt) und das Laminat wunschgemäß noch rausgepflückt. Dann kam das Wohnungsabnahme-Protokoll, 8 Seiten. Alles war gut bis Seite 7 … Instandsetzungskosten: knapp 7000 €, zu zahlen vom Mieter bzw. Erbe. Also ich. Wofür?
Frau H. gab sich dann als mich aus um telefonisch nachzufragen, was denn das für Kosten sein sollen, die ich zu bezahlen habe. Ich wollte nicht anrufen, denn ich hätte die durchs Telefon gezogen oder wäre in Tränen ausgebrochen. Also tat Frau H. so als ob und bekam heraus, dass es die Wohnungstür von Torsten ist. Torsten, der am Silvester-Tag 2022 ein Bad nehmen wollte, dann aber einen Kreislaufkollaps erlitt und nicht mehr alleine aus seiner Badewanne kam. Er rief um Hilfe, bis ein Nachbar wohl die Feuerwehr und den Rettungswagen rief, und die dann die 4fach gesicherte Tür eintraten, um ihn aus seiner misslichen Lage zu befreien und in ein Krankenhaus zu bringen. Tja … und nun bekomme ich für die eingetretene Tür die Rechnung und möchte einfach nur heulen, denn die 7.000 € greifen nun wirklich mein Erspartes an.
Chef versucht aber, das Ganze über die Krankenkasse von Torsten abzurechnen … vielleicht bekommen wir ja das wenigstens hin.

Und so ertappe ich mich dabei, wie mir vor allem abends, wenn ich vom Büro nach Hause fahre, an meine Brüder denke und mir die Tränen kommen. Wie allein ich bin, als einzige meiner Kernfamilie. Dass alle mehr oder weniger allein und im Krankenhaus gestorben sind, Mama, Papa, Torsten und nun auch Stefan … und sie mich alle allein gelassen haben mit dem ganzen Scheiß. Klar habe ich meine eigene Mini-Familie; aber ich fühle mich trotzdem verlassen und allein und in manchen Momenten denke ich, dass das jetzt die Stelle wäre, wo traurige Musik spielt oder im Buch seitenlang Gefühlsgedanken formuliert werden. Aber niemand hört zu und Musik spielt auch keine; und überhaupt ist dieses Leben eben wie es ist; und ich muss darauf vertrauen, dass es noch schöne Momente für mich bereit hält, auch wenn es jetzt seit Monaten so gar nicht danach aussieht.

Am 05.06.2023 fliegen wir dann nun nach München, um Stefan zu beerdigen. Ich habe Angst davor: Es werden fremde Menschen da sein, die meinen Bruder aber nun so viel besser kannten, als ich. Für mich wird er immer der große (17jährige) Bruder bleiben.

So schleppe ich mich durch die Tage, und bin eigentlich sehr glücklich, dass im Büro nach wie vor so viel zu tun ist, dass ich kaum zum Nachdenken komme. Die Wochenenden und Feiertage verbringe ich mit Wohnung putzen und schlafen/lesen; immer froh, wenn das Telefon nicht bimmelt und keine neue WhatsApp- oder Emailnachricht auf mich wartet und mit neuen Problemen aufwartet.

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Geschützt: Mutter rief

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Der Postschalter-Gau

Gestern war Montag, und da ich am Freitag in der Mittagszeit mein Aktenpäckchen bei der büroheimischen Poststelle in Rdk. wegen Mittagspause nicht mehr los wurde, dachte ich mir, dass das ja kein Problem ist, dann schaff ich das Päckchen eben gleich morgens noch vor Bürobeginn früh zum hiesigen Postschalter bei der Westfalen-Tankstelle. Nur: Da wollte man mein Päckchen, dass genau 300 Gramm Übergewicht hatte und daher bereits als Paket deklariert wurde, nicht annehmen, denn für ein Paket war es zu uneben und die Kanten waren nicht gleichmäßig. Also nahm ich es innerlich grummelnd wieder mit. Vorschrift ist nunmal Vorschrift, auch wenn das 20 Jahre lang kein Problem war. Aber nun gut.

Als ich heute Morgen mit vorschriftsmäßig verpackten Paket die selbe Tankstelle betrat und auf den Postschalter zusteuerte, war es 7:54 Uhr. Ich war mit der besagten Tankstellen-Angestellten alleine. Niemand außer uns beiden war auch nur in der Nähe. In der Ecke des Postschalters erklärte ein Pappschild, dass die Post erst um 8 Uhr öffnet. Und Wachtel schnatterte auch gleich lispelnd los: „Die Post macht erst um 8 Uhr auf!“. Also stand ich mit meinem Paket vor dem Schalter, während sie einige Brötchen in der Auslage neu richtete, ein paar Zigarettenschachteln auf Kante sortierte und die Zeitungen neu fächerte. Wir waren immer noch allein, niemand außer uns und dem Paket war anwesend oder auch nur in der Nähe.

Na gut, dachte ich mir, vielleicht kommt sie nicht vor 8 Uhr in das Postsystem hinein. Da kann man eben nichts machen.

6 Minuten später schepperte das Tankstellenradio los, dass es nun 8 Uhr wäre; Wachtel schlenderte die 3 Schritte zum Postschalter, vor dem ich brav wartend stand, nahm das Pappschild weg … und bediente mich gnädiger Weise. Nichts mit ins System einloggen müssen oder Ähnliches! Pure Demonstration von: Ich bin hier der Chef und du wartest!
Da ich das Paket dann auch noch auf den Kopf auf die Waage platziert hatte und sie nicht gleich den vorschriftsmäßig aufgebrachten Adressaufkleber sah, blaffte sie noch herablassend herum, dass sie das so nicht annehmen könne, es stände ja keine Adresse drauf. Ich drehte wortlos und kopfschüttelnd das Paket um 180 Grad, bezahlte die geforderten 6,99 € und trollte mich. Was ne Bitch! Ich hätte es ja verstanden, wenn die Tankstelle voll mit Leuten gewesen wäre, die die Kasse belagerten und schnell weiter wollten. Ich hätte es auch verstanden, wenn sie gesagt hätte, es ist noch nicht ganz 8 Uhr, möchten Sie so lange warten? Vielleicht ein Kaffee derweil, oder ein Brötchen? Aber mich vor dem Schalter stehen zu lassen, wie so eine Bittstellerin … ! Blöde Kuh!
Das wäre eine Geschichte gewesen, die ich meinem Bruder erzählt hätte. Der war schließlich auch Post!

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25.02.2023

Es geht langsam voran, während das Jahr insgesamt bereits wieder rast; oder nie aufgehört hat, zu rasen. Aber wenigstens haben wir jetzt wohl eine Baustelle weniger, denn gestern haben wir die alte Wohnung zurückgegeben. Etwas später als geplant, denn eigentlich sollte das ja schon Ende Januar passiert sein, aber naja … das Leben kam dazwischen, oder besser gesagt der Tod. Und eine Entrümpelungsfirma, die das Ganze wohl unterschätzt hat und eine zwar leere, aber derart dreckige Wohnung nach 2 Wochen hinterließ, dass wir das gar nicht alleine schaffen konnten und uns professionelle Hilfe leisten mussten. Aber wenigstens ist das Kapitel jetzt abgeschlossen und eigentlich könnte ich jetzt durchatmen und anfangen, wieder zu leben, für mich zu leben. Die neue Wohnung ist längst Rückzugsort geworden. Alles könnte also langsam wieder „normal“, sogar gut werden, wäre da nicht die Nachlassgeschichte rund um Torsten. Es schleppt sich, ich komme nicht recht vorwärts; denn ich bin ja nicht wie gedacht Alleinerbin. Alles dauert, sogar die Übersendung der Sterbeurkunden zieht sich und zieht sich. Bisher habe ich nur eine im Original. 10 sind aber bereits bezahlt. Auf Nachricht vom Nachlassgericht warte ich auch noch; denn dass da jetzt unsere 3 bekannten Halbgeschwister + der völlig verschollene Halbbruder Stefan auch noch mitmischen (müssen), verlangsamt alles. Derweil zahle ich die Beerdigungskosten, die Wohnungsauflösung und die letzten 3 Mieten von Torsten. Das geht an das Ersparte. Doch auch hier gilt: immer einen Schritt nach dem anderen. Irgendwann wird das ja auch mal geklärt sein.

Ich kann noch keine Bilder von Torsten bei mir im Zimmer aufstellen. Zu oft denke ich noch, dass ich ihn ja anrufen könnte, wenn ich dieses oder jenes von ihm wissen will oder bei gewissen Dingen, seinen Nachlass betreffend, nicht weiter komme. Und dann fällt mir wieder ein: Geht ja nicht mehr. Geht nie mehr – und schon schießen wieder die Tränen in die Augen. Doch auch das wird besser. Muss besser werden, bis nur noch die Erinnerungen übrig bleiben, die nicht weh tun.

Nun eben sitze ich in unserem waldigen Wohnzimmer bei einer Tasse Kaffee und schaue (mehr oder weniger) MONK. Die Sonne strahlt zur Abwechslung mal, in den letzten Tagen (so kam es mir vor) hat es immer nur geregnet. Nicht, dass ich viel mitbekommen hätte, spielt sich doch mal wieder so ziemlich alles zwischen Büro und neuer Wohnung ab. Nein, das stimmt nicht ganz: Letzten Sonntag war ich mit Moni im Seenpark spazieren. Na gut, ich bin geschlichen und brauchte nach jeden 300 Metern eine kleine Pause. Aber es war ein Spaziergang. Und gestern hätten wir fast ein Schwimmdate gehabt, wenn Moni’s Badeanzug aufzufinden gewesen wäre. Der blieb aber verschollen, keiner weiß genau, ob er überhaupt mit umgezogen ist. Also haben wir das erste Mal des geplanten gemeinsamen wöchentlichen Schwimmens um eine Woche vertagt.

Was ich also sagen will: Wenn nicht diese alles überschattende Traurigkeit noch in mir wäre, wäre mein Leben gerade ziemlich gut. Das heißt: So lange, wie man nicht Nachrichten schaut. Man könnte meinen, die Zeugen mit ihren Weltuntergangsprophezeiungen haben Recht: Es geht alles den Bach runter, und zwar schneller, als man ahnt. Es geht offenbar nur noch um die Frage, WIE und WANN sich die Menschheit zuerst umbringt: Krieg, Erdbeben, Klima ….

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In Alltag und im Gewöhnlichen versuchen, zu funktionieren als Therapie gegen die Trauer, die immer wieder nach einem greift;
nicht zu viel oder zu lange nachdenken, die Gefühle nicht analysieren;
lieber im KINDLE und auch im TV in andere Welten kriechen, um für einige Momente zu vergessen, dass es so schwer ist, das noch Unbegreifliche zu fassen.
So viele Baustellen im Leben plötzlich, und in den meisten geht es kaum voran, so dass sich sofort das Gefühl einmischt, dass ich das wohl nie alles hinter mich bringen kann. Doch nicht zu lange im Nachdenken verharren, weiter … weiter …

Alltag ist gut, Alltag ist vertraut;
er wird nicht mehr anrufen oder sich in WhatsApp über irgendwas aufregen, er wird die Wahl in Berlin nicht mehr kommentieren, wir werden nicht mehr besprechen, wie es ihm geht und dass er auf sich aufpassen soll und wann der beste Zeitpunkt ist, dass er uns endlich wieder besuchen kommt in der neuen Wohnung … oder ich endlich ihn besuchen komme, sobald ich Urlaub habe … all das wird nicht mehr passieren, niemals mehr, er ist fort … seine Asche ist zu Hause in den Bergen der Oberlausitz.
Grüß Mutti und Vati, Brüderchen … wir sehen uns wieder … bestimmt … ich will daran glauben, durch den Tränenschleier.

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